Reisebericht vom 25.06.2002
Tonga
Nach nur 2 Tage auf See, neuerdings eine kurze Distanz für uns, wenig Wind, einer Dorade an der Angel, einer Nacht mit Dauerregen und wenig Sicht, also auch wenig Schlaf, liegen wir nun in Neiafu an einer Mooring von „Beluga Diving“.
Der Zeitunterschied zur Greenwich Time beträgt in Niue –11 h und in Tonga +13 . Obwohl der 180° erst in Fiji erreicht ist, macht die Datumsgrenze hier einen Bogen und beginnt schon in Tonga. Tonga`s Motto ist: Where time begins! Das hört sich gut an, bedeutet aber für uns, dass wir einen ganzen Tag einbüßen. Nach unserer Zeit erreichten wir Tonga am Montag und plötzlich war hier gleich Dienstag. Ein schwerer Verlust für uns, weil wir sowieso schon so wenig Zeit haben. Aber Tonga empfängt uns wie alle in der Südsee äußerst freundlich.
Einklarieren geht schnell und problemlos, der Angestellte des Landwirtschaftsministeriums kommt zwar an Bord, fragt aber nur nach Früchten, die normalerweise hier kostenpflichtig konfisziert werden (der strengen Quarantänebedingungen wegen), was wir verneinen – wir haben unsere grünen Bananen von Niue und die restlichen Zwiebeln vorsorglich versteckt – und geht wieder. Noch am Clearance Pier werden wir von einem Tonganer nach Hause eingeladen „for a tongan meal“ und nehmen freudig an. Später stellt sich heraus, dass wir für alles bezahlen müssen und relativ viel Geld bei Lofi – so heißt er – lassen. Wir haben nicht erwartet, dass wir alles kostenlos bekommen, aber er hat natürlich sofort seine festen Preise. Wir trösten uns damit, dass wir einfach von unserem „Reichtum“ abgeben, solange wir das noch können, denn Lofi ist wirklich arm, wir konnten das sehen. Lofi nimmt uns mit zu sich in die Hütte, seine Tochter hat bereits Essen für uns gebracht. Lofi behauptet zwar, es sei alles frisch, wir glauben aber, er hat es gerade vom Imbiß nebenan geholt. Nach dem Tischgebet wurde, auf dem Fußboden sitzend mit den Fingern gegessen. Es gab für jeden von uns Huhn, Schwein und Thunfisch mit Maniok. Wir konnten nur einen Bruchteil davon essen und das war gut so, denn den Rest bekamen die vier Kinder, die die ganze Zeit kichernd und staunend um uns herumtobten und sogar ein paar Brocken englisch mit uns reden konnten, um sich dann vor Lachen darüber schier auszuschütten. Am nächsten Morgen hören wir allerdings, dass eins der Kinder in der Nacht schlecht geträumt hatte, es hatte Angst vor den Palangi (das sind für die Einwohner hier wir Weissen). Hier haben die Kinder eben Angst vor dem weissen! Mann.
Lofi drängt uns geradezu, einmal Kava zu probieren. Kava ist die „Droge“ der Südsee, aber nicht so gefährlich. Kava soll sogar anregend und gesund für den Körper sein, sicher wenn es in Maßen getrunken wird.
Lofi erzählt, dass er jeden Tag Kava mit seinen Freunden trinkt und er bringt auch gleich eine Portion Kava Pulver und die richtigen Gefäße mit. Eigentlich darf so eine Kava Zeremonie nur vom Häuptling ausgeführt werden, aber sicher hat auch hier das 3.Jahrtausend seine Spuren hinterlassen, und Lofi leitet diese Zeremonie. Dazu wird das Kavapulver, das in einem Leinensäckchen ist, in der großen Kavaschale in etwas Wasser ausgedrückt und es entsteht eine schlammige Brühe, die mehrmals umgerührt wird. Wir hatten schon darüber gelesen, waren auf alles gefasst und bereit, es zu probieren. Leichte Bedenken, ob diese ganze Zubereitung mit Leitungswasser usw. gut von unserem Magen vertragen wird, hatten wir schon, aber es gab kein Zurück mehr.
Lofi sprach ein polynesisches Wort, klatschte dann in die Hände und trank alles in einem Zug. Danach schüttelte er sich und strahlte, als hätte er einen besonders guten Schnaps getrunken. Wir taten es ihm gleich und fanden das Getränk gar nicht so schlimm. Auch nach der zweiten Schale merkten wir keine Wirkung, hörten aber dennoch auf.
Lofi verkaufte uns Kavapulver, wir konnten es einfach nicht verhindern. Er meinte, dass man das unbedingt braucht. Wir sehen es als Souvenir, vielleicht können wir es auch in Fidschi eintauschen. Dort soll es auch so wilde Kavatrinker geben.
So konnten wir einmal echt tonganisches Leben kennenlernen. Wir sahen die älteren Frauen vor der Hütte Matten flechten und lernten eine Tochter von LOFI kennen, die sich angeregt und auch immer kichernd mit uns in englisch unterhielt. Ihr Ehemann liegt krank im Hospital, trinkt aber auch jeden Tag Kava. Sie trinkt im Moment nichts davon, weil sie noch ihr Baby stillt.
Lofi erzählt auch, dass er noch mehr Frauen und Kinder auf anderen Inseln hier hat. Am nächsten Tag kommt Lofi zum Boot und bringt uns frisches warmes Brot und Trinknüsse, diesmal ein Geschenk, dafür sollen wir ihm aber einige Souvenirs abkaufen, was wir auch prompt machen.
Kurze Zeit später (wir kommen zu nichts!) klopft Feao bei uns an und will sein Geschäft mit uns machen. Er trompetet wundervoll auf einer Riesenmuschel. Das ist in der ganzen Bucht zu hören. Die kaufen wir ihm ab und sind happy, aber Gerhard muß noch sehr üben, bis er einen ordentlichen Ton da rauskriegt.
Auch Feau hat mehrere Frauen und viele, viele Kinder und ist sehr stolz, dass sie alle die Schule besuchen. Die Einheimischen sind auch hier so freundlich und aufgeschlossen und es kommt immer zu netten Gesprächen. Feau hat sich gleich selbst für morgen früh zum Tee bei uns eingeladen und will auch seinen erwachsenen Sohn mitbringen, weil wir „nur“ zwei Töchter haben. Wir hoffen, dass er nicht erwartet, dass wir ihm noch mehr abkaufen, denn unser Budget ist erschöpft. Ansonsten freuen wir uns auf seinen Besuch.
Es ist für uns auch erstaunlich, wie viele verschiedene Kirchen hier aktiv sind. Z.Zt. bieten die Mormonen gratis Schulunterricht an, d. h. alle schicken ihre Kinder zu den Mormonen. Und der Sonntag ist wirklich heilig, da ist sogar Baden untersagt und Fußballspielen. Die Lokale haben selbstverständlich geschlossen. Es ist beten, essen und schlafen angesagt.
Auf der Suche nach einer Internetmöglichkeit werden wir freundlich, denn alle wollen uns irgendwie helfen, durch den ganzen Ort geschickt. Am Ende finden wir den einzigen PC im Beluga Diving Centre mit einem Minutenpreis von 1 US $. Das ist bisher das schärfste, was wie erlebt haben. Ich frage, ob er dafür sicher sehr schnell ist. Jaaa !!!
Innerhalb von 9 Minuten habe ich eine mail wegschicken können, der PC streikt und ich gebe auch auf.
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Reisebericht - Tonga
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