Reisebericht vom 16.03.2003 

Port Suakin, Sudan 

Die schmale Einfahrt durch Korallen und Untiefen in den hinteren Teil des Hafens direkt neben der alten Ruinenstadt ist nur bei Tageslicht und mit der Sonne im Rücken möglich. Zum Einklarieren kommt eine Stunde später Mohammed, der Agent für 25 US$, an Bord, denn Suakin ist kein offizieller Port of Entry. Er besorgt uns den Shorepass mit Passfoto (28 US$ pro Person) für den Landgang, kassiert die Ankergebühr von 20 US$ und tauscht Sudanesische Pfund. Außerdem bringt er den Seglern den Diesel für 0,40 US$/l in seinem Pick-  up zum Hafen. Das Wasser wird von einem Eselkarren mit einem kleinen Tank zum Hafen gebracht und kostet uns nichts extra. Vor dem Trinken wird gewarnt, aber abgekocht ist es kein Problem.

Hier gibt es keine Bank und keinen Supermarkt, aber eine faszinierende Kulisse mit der alten Ruinenstadt. Wenn ich mir die wenigen alten Autos wegdenke, fühle ich mich in dem größten Land Afrikas 2.000 Jahre zurückversetzt. Die Männer kommen auf Kamelen oder Eseln zum Markt geritten und haben ihr Schwert über der Schulter. Schwere Sachen werden auf Eselkarren transportiert. Auf dem Markt gibt es preiswert Obst, Gemüse und sogar Fleisch. Allerdings verzichten wir auf das frischgeschlachtete Fleisch, da Hunderte von Fliegen sich ebenfalls dafür interessieren.

In der Mitte des letzten Jahrhunderts war hier der letzte Sklavenmarkt der Welt. Im 16.Jahrhundert konnten bis zu 600 Schiffe in dem großen Naturhafen liegen, damit war dies der bedeutendste Hafen des Roten Meeres. Riesige Kamelkarawanen brachten damals Sklaven, Elfenbein, Kupfer und Felle aus dem Landesinneren, um dann mit Perlen, Seide, Gewürzen und Baumwolle zurückzukehren. Den ehemaligen Wohlstand kann man nur noch erahnen, wenn man die Reste der teilweise mehrgeschossigen Steingebäude in der Ruinenstadt mit dem alten Hauptquartier von Feldmarschall Lord Kitchener sieht. Im 19.Jh. wurde der Hafen zu klein für die Ozeandampfer und Port Suakin verlor seine Bedeutung.

Damals war die Ausdehnung der Sahara wesentlich geringer. In den letzten 350 Jahren hat die Wüste sich dramatisch ausgedehnt. Bevölkerungswachstum und Überweidung durch Vieh hat zum Verlust der Bodenbedeckung geführt und es kommt zur Verwüstung. Jährlich wächst die Wüste um 5-  10 km. Heute hängt Sudan am Tropf des Internationalen Währungsfonds. Misswirtschaft und ein scheinbar endlos währender Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden verschärfen die Situation im Lande. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wasser ist nicht gesichert. Die Menschen leben hier am Rand der Wüste in einfachsten Unterkünften ohne Strom, ohne Wasser und ohne Kanalisation. Wir bestaunen uns gegenseitig und fühlen uns in diesem muslimischen Land trotz der derzeitigen kritischen Situation mit dem Irak sicher. Wenn man auf die goldenen Ketten und Brillantringe beim Landgang verzichtet und seine Kleidung so angemessen entsprechend eines muslimischen Landes auswählt, dass man keinen Anstoß erregt, gibt es keine Probleme. Es ist keine Frage, wie ich als Christ zu dem Islam stehe, aber wenn ich hier als Durchreisender zu Gast bin, muss ich mich selbstverständlich an die Gepflogenheiten und Regeln halten. Es soll ja Segler geben, die in ihren letzten abgewrackten kurzen Hosen und einem schmutzigen T-  Shirt zum Einklarieren gehen und sich dann über die Reaktion der Beamten „wundern“. Ich habe erlebt, dass Segler mit freiem Oberkörper von den Beamten zu Recht weggeschickt wurden. Ein wenig die Form sollte man schon waren, auch wenn man sich nicht mit dem Segelboot nicht auf Luxusreisen befindet.

Mit dem öffentlichen Bus geht es nach Port Sudan, der Stadt mit dem großen Handelshafen -   vorbei an zahlreichen Zelten mitten in der trockenen Wüste, dazwischen Kamel-   und Ziegenherden. In Port Sudan finden wir nach längerem Suchen im „Palace Hotel“ sogar einen Internetanschluss. Doch die Telefonverbindung bricht ständig zusammen. Überall stehen Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung neben den Gebäuden mit großen Diesellachen im Sand. Alles ist staubig durch den ständigen Wind. Es stinkt nach verbranntem Müll. Bei uns hinterlässt die Stadt einen ziemlich deprimierender Eindruck und wir fahren nach drei Stunden wieder zurück. Der Nordwind ist nicht mehr so stark und wir beschließen, weiter zu fahren. Für unser letztes sudanesisches Geld kaufen wir auf dem Markt Obst und Gemüse. Mohammed, der eifrige Agent, hat unsere Papiere innerhalb von einer Stunde fertig und bringt sie an Bord.


 


Reiseroute

 


Reiseberichte - Sudan

 
» 12.03.2003 - Khor Nawarat, Sudan
» 15.03.2003 - Two Islets, Sudan
» 16.03.2003 - Port Suakin, Sudan
» 19.03.2003 - Marsa Fijab, Sudan
» 25.03.2003 - Khor El Marob, Sudan
 
 
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