Reisebericht vom 27.03.2002
Panama-City (Panama)
Am nächsten morgen warten wir ab 09- 30 h badenderweise auf den oder die Lotsen und erfahren von der "ANAMARCA", dass morgens am Ufer ein großes Krokodil zu sehen war. Auf einmal wollte keiner mehr ins Wasser.
11- 30 h kommt doch wirklich, 2 h später als verabredet, Victor an Bord, natürlich ohne ein "Sorry". Vor dem Pedro Miguel Lock machen wir an der Steuerbordseite der "ANAMARCA", einer 31 m langen Edelyacht von Jongert (Neupreis ca. 30 Mill. DM) fest. Die amerikanische "CHYKA" kommt an die Backbordseite und so brauchen wir nicht viel machen, da alle Manöver und Leinen nur zur "ANAMARCA" gehen. Auch die Fahrt zu den zwei Miraflores Locks erfolgt im Dreierpack.
Bei dem Füllen bzw. Leeren der Schleusenkammern innerhalb von ca. 10- 15 min. sind große Wasserstrudel zu sehen. Alle Arbeiter an Land tragen Rettungsweste und Helm.
Genau 16- 10 h haben wir den Pazifik erreicht und sind happy. Anschließend fahren wir unter der großen Amerika Brigde, die als einzige Brücke Nord- und Südamerika verbindet.
In der Flamenco Bay zwischen Flamenco und Perico Island finden wir unseren Ankerplatz, wo schon ca. 35 Yachten liegen. Wir werfen unser Dingi ins Wasser und eine Bö reißt mir die Festmacherleine aus der Hand. Ich springe sofort hinterher, bevor es weiter abtreibt. Oh Schreck, ist das Wasser kalt (nur 20°C), aber das Dingi wird "gerettet".
Im Pazifik gibt es wieder Tide mit Hoch- und Niedrigwasser- unterschieden von bis zu 6 m. Zur Zeit haben wir fast Vollmond. Da ist Springzeit und damit eine besonders große Tide, das müssen wir natürlich beim Ankern beachten, nicht daß wir dann bei Ebbe auf Grund sitzen.
Hier wird z. Zt. die neue Flamenco Marina gebaut. Eine kleinen Bootsausrüster, Tankstelle, Eis und Trinkwasser sowie mehrere Restaurants gibt es hier schon. Leider müssen wir mühsam unser Dingi einen Berg hochtragen, um es an einer Palme anzuschließen, da kein Dingianleger vorhanden ist. Hier liegen auch Hunderte von Autoreifen, weil selten ein Segler in der entgegengesetzten Richtung den Panamakanal passiert. Da fällt mir sofort die Idee mit einem LKW ein: alle aufladen und in Colon für 3 US$ an die Segler verkaufen. Aber das Geschäft gönnen wir den Taxifahrern von Colon.
Wir bringen unsere Linehander mit dem Dingi an Land. Humbert fährt mit dem Bus (2 US$ für 80 km) nach Colon zurück – er ist am Samstag noch einmal Linehander auf der "Norwegien Blue", Jake sucht sich in Panama- City eine Herberge – er will nach Hause nach Kanada fliegen – und Michael wird von seinem Fahrer abgeholt – er will heute Abend noch mit uns Panama- City unsicher machen. Panama- City steht in großem Gegensatz zu Colon. Sie ist eine wirkliche Weltstadt und gefällt uns gut. Allerdings sehen wir auch hier die obligatorischen Armenviertel, an die wir uns so schlecht gewöhnen können.
Wir fahren am Donnerstagmorgen für 80 Cent mit dem Bus in die Stadt, denn unsere Kamera muss zur Reparatur. Die Adresse für die Kameraklinik bekamen wir von Isis, die sich rührend um uns kümmert. Der Mann in der Werkstatt flößt uns sofort Vertrauen ein und wir haben Hoffnung, dass die Reparatur möglich ist.
Wir finden ein Internet, dass für zwei!! Stunden am Computer nur 1,75$ haben will und nutzen das natürlich gleich aus. Um 18 Uhr treffen wir uns ein letztes Mal mit Michael zum Bier – er fliegt morgen über die Osterfeiertage hier in die Berge – und fallen kurz nach Einbruch der Dunkelheit todmüde ins Bett (wie es Seglers Brauch ist), aber nicht ehe Sabine noch Teig für unser Brot morgen früh angerührt hat. Sabine übt schon seit einiger Zeit das Brot backen und ihre Brote werden immer besser. Auf unseren langen Strecken auf See will sie dann versuchen, für uns frisches Brot und Brötchen zu machen.
Am Karfreitag sind auch hier alle Läden und viele Restaurants geschlossen, so daß wir unsere Arbeiten auf dem Schiff erledigen. Es herrscht Feiertagsstimmung und auch wir genießen die Ruhe. Um 17 Uhr setzen wir mit dem Dingi über und spazieren wie viele Einwohner auch den Boulevard entlang in Richtung Stadt. Wir wollen zur großen Karfreitagsprozession. Erst um 21 Uhr geht sie dann wirklich los und ist sehr beeindruckend. Tausende Menschen stehen an den Straßenrändern und sehen zu. Es ist die größte Prozession mit Hunderten Beteiligten in Panama- City. Alle sind festtäglich gekleidet. Nun ist uns auch ein wenig österlich zumute, aber es ist nicht so wie zu Hause. In den Supermärkten gibt es nichts Österliches zu sehen.
Der Samstag ist unser letzter Tag in Panama- City. Wir tanken noch einmal Diesel und machen unsere Wassertanks, Kanister und Flaschen voll, denn morgen um 7 Uhr wollen wir starten zu den Las Perlas und von da aus nach Galapagos.
Wir werden viele Segler, die wir in Colon trafen auf unserem Weg durch den Pazifik wiedertreffen, denn sie alle sind wie wir auf dem Weg um die Welt.
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