Reisebericht vom 26.03.2002
Gamboa
04- 20 h klingelt der Wecker. Das ist normalerweise noch nicht die Zeit für Segler, aber der Adviser (Einweiser, es ist kein ausgebildeter Lotse) soll
05- 00 h an Bord kommen. Sabine kocht noch Kaffee und füllt diesen in die Thermoskanne. Unsere drei Linehander sind bereits gestern Abend an Bord gekommen. Wir brauchen nichts für die Linehander bezahlen, denn die Segler helfen sich gegenseitig und schauen sich oft den Kanal erst mal als Linehander an, um dann mit der eigenen Yacht durchzufahren. Wir haben Humpert aus Amsterdam von der "Norwegian Blue", Jake einen Bagpacker (Rucksacktourist) aus Halifax (Kananda) und Michael Bartoscheck, einen Görlitzer, der in Dresden studiert hat und jetzt bei der DIWIDAG S.A. als Bauleiter in Panama- City arbeitet. Am Vorabend sprachen wir bei einem Bier und Gin- Tonic schon mal einiges durch. Sabine erfreute alle mit Sächsischem Kartoffelsalat, Bouletten und Würstchen.
Dank unseres Freundes Michael haben wir am vorigen Sonntag mit dem DIWIDAG- Dienstauto (hoffentlich liest sein Chef nicht unseren Reisbericht) und seiner Freundin Isis aus Panama einen wunderschönen Ausflug nach Portobello gemacht. In dieser Bucht lagen früher die Schiffe der Eroberer und es sind noch die Reste der einstigen kleinen Festung samt Kanonen zu sehen. Acht kleine schwarze Jungs weisen uns auf dem Parkplatz ein und jeder bekommt seine Münze.
Als zusätzliche Fender für die Betonwände der Schleusen besorgten wir uns noch 6 mit Mülltüten umwickelte alte Autoreifen für je 3 US$ . Das ist das Nebengeschäft der Taxifahrer, denn Taxifahren ist billig. Eine Fahrt kostet normalerweise einen US$ in die Stadt, egal wohin. Mit mehreren Zwischenstopps zum Einkaufen ist der Taxifahrer gleichzeitig Dolmetscher und ortskundiger Stadtführer. So ist er eine Stunde beschäftigt und hat 5 US$ verdient, allerdings ist das Taxi kein Mercedes mit Klima und der TÜV würde es sofort aus dem Verkehr ziehen.
Die Hupe funktioniert aber in jedem Fall. Wir sind aus Sicherheitsgründen nicht zu Fuß in Colon herumgelaufen. Mohammed, ein Segler aus Frankreich, wurde am helllichten Tag (11- 00 h) von drei Jugendlichen überfallen. Sie hatten nicht mit seiner Schlagkraft gerechnet, aber seine Brille war kaputt, ein Auge blau und sein Ellebogen musste genäht werden. Geld haben die drei Straßenräuber nicht erbeutet. Für uns ist Colon bisher die schmutzigste und gefährlichste Stadt gewesen mit einer ganz eigenartigen negativen Spannung und Stimmung. Ich muß aber sagen, dass für mich die Stadt Colon nicht Panama repräsentiert.
Unsere zwei Adviser (Lotsenlehrlinge) kommen mit karibischer Pünktlichkeit eine halbe Stunde später und die erste Frage, nachdem wir den Anker aus dem schlammigen Grund geholt haben, ist die nach der Höchstgeschwindigkeit der "SUMMERTIME" unter Maschine. Nicht etwa ein "Sorry – wir haben verschlafen oder der Bus kam nicht". Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen und wir machen mit achterlichen Winden bei 1700 U/min Drehzahl knapp 7 Knoten Fahrt. Das Wasser ist etwa 28° warm und die Sonne gibt auch noch ihr bestes, da sollte man schon etwas auf die Betriebs- und Öltemperatur des Motors achten, wenn die Kühlung nicht so gut ist.
06- 40 h haben wir die ersten drei Schleusen, die Gatun- Locks erreicht. Sie werden uns insgesamt 26 m heben, damit wir auf das Niveau des Gatunsees kommen. Die ist ein riesiger Süßwassersee, der bei jeder Schleusung ca. 200 Millionen Liter Süßwasser verliert. Der Panamakanal mit seiner Länge von 80 km ist noch so, wie er 1914 von den USA gebaut wurde. Seit dem Jahr 2000 ist er komplett an Panama übergeben worden. Den höchsten Preis für eine Durchfahrt bezahlte 1999 der Frachter "SISLER" mit 185.000 US$.
Wir werden zusammengebunden mit zwei anderen Yachten und als Dreierpäckchen fahren wir in die Schleusenkammern. Nur die beiden äußeren Yachten brauchen die 38 m langen Panamaleinen. Nach 1,5 Stunden sind wir auf dem Gatunsee und fahren in der mit Bojen markierten Wasserstraße bis nach Gamboa. Das ist der Stützpunkt für die Wartung und Instandhaltung des Kanals. Dort verabschieden sich unsere beiden Adviser, Edwin und Victor, ganz plötzlich, nachdem sie uns erklärten, dass wir entgegen der Information aus dem Büro nicht an einem Tag durchgeschleust werden, sondern hier noch eine Nacht vor Anker liegen müssen. Wir schauen uns alle etwas entgeistert an. Damit hatten wir nicht gerechnet. Dabei haben wir unsere "Lotsen" mit Schinkenrühreiern, Sandwich sowie Kaffee und Cola super bewirtet. Vielleicht war auch alles bis hierher so anstrengend. Mit 3 VHF- Geräten und zwei Handy´s hatten die Beiden den ganzen Tag ununterbrochen Gesprächsstoff. Abends wird die Crew mit Skipper- Spaghettis und "leichten" Getränken wieder aufgemuntert. Wir gehen noch in das warme und trübe Wasser (28°C) baden.
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