Reisebericht vom 18.06.2002
Niue
Nach 8 stürmischen Tagen und 1084 sm auf See liegen wir endlich als 4.Yacht ruhig an einer der 15 Moorings des Niue Yachtclubs für 2,5 € pro Tag (Wasser und Duschen sind inklusive). Das Ausklarieren kostet bei Costums nur noch 5 € pro Person, vergangenes Jahr war es das Doppelte. Das Wasser ist hier ca. 30 m tief und es klingt unglaublich, aber man kann den Grund sehen. Niue ist der größte zusammenhängende Korallenblock und gleichzeitig der kleinste Staat der Erde. Die Insel hat nur rund 2.000 Einwohner (rund 10.000 leben im Ausland, hauptsächlich in Neuseeland und ist nur 100 Quadratmeilen groß. Erst einmal geht es zum Einklarieren, dann sind wir gespannt auf Land und Leute.
Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, gleich noch die 280 sm bis Tonga weiterzusegeln, um dort ein bisschen mehr Zeit für den Landaufenthalt zu haben. Aber die steten stürmischen Winde machten uns einen Strich durch die Rechnung. Unsere Genua riss immer mehr ein, bis wir sie nicht mehr benutzen konnten. An ein Auswechseln auf See war bei dem Wind und hohen Seegang gar nicht zu denken. Zum Glück haben wir auch eine Ersatzgenua mit und werden sie jetzt hier in Niue auswechseln. Die letzten beiden Tage segelten wir also nur noch mit dem gerefften Großsegel und erreichten bei ständigen 25- 30 Knoten Wind dennoch eine Geschwindigkeit von 5- 6 Knoten. Wir sausten nur so dahin.
Dafür war es unter und auch auf Deck recht ungemütlich. Die starken Schiffsbewegungen ließen kaum andere Bewegungen als Liegen und Sitzen zu. Essen war eine reine Geschicklichkeitsübung. Trotz dieser Widrigkeiten hatten wir zweimal einen ca. 80 cm langen Fisch an der Angel, eine Dorade und einen wunderbar zebragestreiften Wahoo, eine Thunfischart. Das war die Rettung vorm Cornedbeef aus der Büchse, das einfach scheußlich schmeckt - man kann es nur in der allergrößten Not essen.
Hier werden wir ausgesprochen freundlich aufgenommen und jeder grüßt uns, als ob wir hier schon Jahre da wären. Das Dingi wird mit einem elektrischen Kran auf die Mole gehievt und liegt dort unangeschlossen sicher. Es gibt hier praktisch keine Kriminalität.
Beim Schnorcheln am Schiff sehe ich ganz deutlich die Korallen und Fischpracht und unter uns zwei ungefährliche Weißspitzhaie von 1.20 m. Hier gibt es auch die giftigen Seeschlangen, die aller 7 min. zum Luft holen auftauchen müssen, aber nicht aggressiv sind und Reißaus nehmen, wenn man ihnen zu nahe kommt.
Am 2.Tag in Niue steht Segelwechsel auf dem Programm. Gerhard muss dazu in den Mast, irgendetwas hat sich verklemmt. Das geht nicht ohne Hilfe. Prompt kommt Lutz von der „Finetime“, ein Einhandsegler aus Berlin, zu uns rübergepaddelt, um zu fragen, ob er irgendwie helfen kann. Und ob ... . Er kurbelt Gerhard in den Mast und hilft beim Setzen der Ersatzgenua. Dafür ist er bei uns zum Fisch essen herzlich eingeladen. Die Menge Fisch ist ohnehin für uns zuviel.
Danach geht es zu Mary, der Leiterin des Trans –Ocean Stützpunktes, bei der wir neueste Nachrichten vom Trans - Ocean –Club bekommen und uns ein kleines Motorrad für morgen reservieren.
Am 20. Juni, Sabines Geburtstag, wollen wir eine Inselrundfahrt machen. Da es rund um die Insel nur 69 km sind, ist das an einem Tag zu schaffen.
Die Insel ist wunderschön. Ringsum üppig wucherndes Grün, das das ganze Jahr über Früchte trägt. Bäume voller dicker saftiger Papayafrüchte, reife Bananenstauden, Brotfruchtbäume und vieles, was wir gar nicht kennen. Wir ernten 2 vollreife Papayas. Die wären sonst runtergefallen und zu klebrigem Matsch geworden. Solch frische vom Baum gepflückte Südfrüchte werden wir in Deutschland nicht mehr kriegen und so genießen wir sie augenblicklich.
Während der Low - Tide können wir sogar auf den nahegelegenen Riffen entlanggehen und Seeschlangen aus nächster Nähe beobachten. Wir sehen endlich unversehrte lebende Korallen und sind fasziniert von dem Artenreichtum der Unterwasserwelt, die sich hier zur Niedrigwasserzeit für uns öffnet.
Den Abend begehen wir mit einem Dinner im Hotel Matavai. Da das Hotel zur Zeit keine Gäste hat, richtet es für Einwohner und Segler Dinnerabende ein. Es gibt als Sonderangebot Fish and Chips oder Steaks and Chips für 10 neuseeländische Dollar, das sind 5 €. Hier treffen sich heute abend natürlich alle Segler und alle essen Steak, denn Fisch fangen wir ja selber. Wir sind eine internationale Runde: Australier (fast am Ende ihrer Weltumsegelung), Amerikaner, Franzosen, Deutsche und sogar ein Japaner. Segler tauschen immer Nachrichten über interessante Ankerplätze und Segelreviere aus und es dauert nicht lange, bis eine rege Unterhaltung in Gang kommt.
Das Hotel sorgt sogar für den kostenlosen Transfer der Segler, denn es liegt mehr als 10 km weg vom Hafen.
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Reiseberichte - Marquesas & Tahiti
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