Reisebericht vom 26.01.2003 

Ihavandiffulu Atoll, Malediven 

Mit einer Supergeschwindigkeit (Spitzenetmal von 165 sm) auch dank der mitlaufenden Strömung erreichen wir nach 3 Tagen im Morgengrauen das Atoll. Etwa 20 Yachten sind bereits hier vor Anker. Kaum haben wir den Anker geworfen, konnten wir dem herrlichen hellblauem Wasser nicht wiederstehen und gingen noch vor dem Frühstück schwimmen. Herrlich !! Ein Anblick wie auf der schönsten Kitschpostkarte mit der kleinen grünen Insel im Hintergrund.

Wir melden uns über VHF 16 bei den Behörden an und nach 30 Minuten kommen die 6 offizielle Vertreter an Bord. Alle 10 Formulare sind dabei und nach einer Stunde ist alles überstanden – wir dürfen bleiben. Zahlreiche Schränke wurden inspiziert und niemand wollte Alkohol oder Zigaretten. Wir werden belehrt:

-   Alkohol darf nicht an Land gebracht werden
-   Einheimische dürfen das Boot nicht betreten
-   Keine lässige Kleidung im 100 % muslimischen Dorf
-   Yachten dürfen nicht an anderen Plätzen ankern
-   Über Nacht müssen alle Crewmitglieder an Bord sein
-   Alle Souvenirs sind dem Zoll beim Ausklarieren vorzulegen

An Gebühren fallen nur 4 US$ Ankergeld für 2 Wochen an, danach kostet es pro Tag 4 US$. Es ist einfach einmal schön, als Segler nicht immer die Kuh zu sein, die gemolken wird.

Wir sind abseits jeglicher Resorts oder Hotels und damit die einzigen Touristen. Hier in Uligamo, einer Insel innerhalb des nördlichstes Atolls der Malediven, gibt es nichts außer säuberlich geharkten Sandwegen und kleinen ärmlichen Hütten mit schüchternen Frauen drin, die alle ein Kopftuch tragen, weil sie Muslime sind. Es gibt zwei kleine Läden, in denen es nicht viel gibt. (Kein frisches Obst und Gemüse). Die Männer sind jeden Tag mit ihren Fischerbooten unterwegs und drei mal am Tage hören wir den Muezzin aus der Moschee über Lautsprecher rufen. Das erste Mal morgens um 4.30 Uhr gehen die Gläubigen zum Gebet, bevor sie zum Fischen rausfahren.

Und dennoch sind wir wieder mal in einem Paradies. Eine kleine grüne Inseln mit weißen Sandstränden, klares türkisfarbenes Wasser mit vielen bunten Fischen in Korallenriffen, die nach dem alles vernichtenden El Nino Jahr 1998 langsam wieder zum Leben erwecken. Damals sind Wassertemperaturen von 35°C gemessen wurden. Sogar Schildkröten haben wir hier wieder gesehen, die mitten zwischen den ankernden Schiffen schwimmen. Für immer möchte ich allerdings in diesem Paradies nicht leben. Dafür ist es mir zu abgelegen. Nichts los hier -   450 Einwohner und nicht ein Restaurant oder Cafe, kein Internet. 15 Stunden Strom am Tag und einige haben einen Fernseher. Autos braucht man nicht. Dabei sind alle freundlich und es gibt sogar Diesel (0,53 US$/l) und Brunnenwasser bei Bedarf. Aber jetzt genießen wir diese stille Idylle, denn Trubel haben wir dann im Roten Meer sicher genug.

Leider laufen „EOS“ , „STEFFI“ und „SKIVE“ morgen schon aus. Sie haben nicht in Sri Lanka Station gemacht und lagen nun schon 12 Tage hier. Über SSB-  Funk sind wir jeden Tag in Kontakt. Mit der „EOS“ wollen wir von Salalah (Oman) aus gemeinsam den Piraten im Golf von Aden und dem Roten Meer trotzen.

Wir unternehmen mit mehr als 13 anderen Seglern von der Bluewater Rally einen Ausflug mit einem Dhoni (Fischerboot) zu den drei Inseln dieses Atolls; unter anderem besuchen wir die Bootsbauer auf dem Mulhadhoo Island.

Dienstag machen wir uns einen gemütlichen Tag. Morgens schwimmen wir mit der kleinen Hannah von der „THOR“. Sie ist erst 4 Jahre alt und schwimmt, taucht und schnorchelt schon wie ein Fisch. Hannah erinnert uns immer an Emily. Sie ist auch so ein pfiffiges, aufgewecktes blondes, kleines, süßes Mädchen. Danach versuche ich, hier im Atoll einen Fisch für`s Mittagessen zu fangen. Drei gingen auch an meine Angel: hübsch bunt, aber leider zu klein. Also wieder Spaghetti und Thunfisch aus der Büchse. Abends kommen Gaby, Miles und Hannah von der „THOR“ zu uns an Bord für einen kleinen Plausch. Mit den Dreien haben wir auch unseren 2 Tages Ausflug in Sri Lanka gemacht. Hannah ist unsere neue kleine Freundin und war auch schon mal für einen halben Tag zum Spielen bei uns. Miles und Gaby sind ein englisch deutsches Paar und so wird auch in englisch und deutsch gesprochen. Hannah ist gerade dabei, deutsch zu lernen. Es ist lustig anzuhören, wie sie ganz schnell und mit hoher Piepsstimme englisch und gebrochen deutsch spricht.

Mittwoch wird ausklariert und ich versuche noch, frisches Brot und einiges Obst zu bekommen, damit es morgen losgehen kann. Die „EOS“ wartet schließlich auf uns. Die anderen Yachten haben alle schwachen Wind und schaffen höchstens 100 sm am Tag. So wird es uns wohl auch gehen. Ich komme nach 5 Stunden zurück mit allen Papieren. Brot war keines da, aber einige grüne Bananen konnte ich erstehen.

Donnerstag, 30.01.03, geht es 10-  00 h weiter nach Salalah in das Sultanat Oman. Das ist unsere erster Besuch eines arabischen Landes. Vor wenigen Jahren war es noch nicht möglich Oman anzulaufen bzw. Segler waren unerwünscht, aber die Omanis öffnen sich auch langsam für den Tourismus. Das wird unsere letzte lange Strecke von ca. 1.300 sm. Ein ganz gemütliches Segeln erwartet uns die ersten 4 Tage. Wir hören Musik und ich beschäftigte mich mit den nächsten Seekarten, die wir bis zum Suez -   Kanal brauchen.

Dabei kommen wir doch gut voran und schaffen bei leichten Winden täglich 115 sm. Wenn es so weitergeht, brauchen wir nur elf bis zwölf Tage nach Salalah. Es ist sehr gemütlich, weil wenig Seegang ist. Die Angel hängt nun schon den vierten Tag draußen und wir hoffen auf einen Fisch. Der Wind nimmt etwas zu, 20-  25 kn aus Nord, und wir werden schneller und segeln immer noch hoch am Wind. Es ist jetzt natürlich nicht mehr so gemütlich, aber unser feines Frühstück lassen wir uns deshalb nicht entgehen. Die „SUMMERTIME“ läuft wie geölt (Etmal 150 sm). Nach zwei stürmischen Nächten und einem stürmischen Tag dazwischen läuft jetzt das Schiff endlich wieder ruhig. In der Nacht mussten wir zweimal reffen, weil der Wind ständig zunahm. Das Schiff wurde von den Wellen nur so rumgeworfen. Alle Luken mussten zu bleiben und trotzdem tropfte aus allen Löchern Salzwasser auf uns herab, weil die Wellen ständig das Schiff überspülten – ganz und gar nicht gemütlich. Um so mehr genießen wir die heutige Ruhe. Wir segeln nur noch mit 5,6 Knoten (was eigentlich schon recht schnell ist) und werden wenn der Wind so bleibt nach 10 Tagen ankommen. Diesmal fahren wir auch nachts ein. Die Hafeneinfahrt soll ganz einfach sein und wir freuen uns so auf den Landfall, dass wir auf keinen Fall warten wollen.

Das Meer um uns herum ist voller Plankton und Delfine ziehen ihre Leuchtspuren um`s Schiff. Es ist nicht ein Fischerboot zu sehen und während wir abends unten im Salon bei hellem Licht Offiziersskat spielen, ist da auf einmal ein ganz heller Pfeifton. Wir gehen ins Cockpit und sehen mehrere Pilotwale um unser Schiff schwimmen und hören sie schnaufen. Wahrscheinlich wurden sie von unserem Licht angelockt und außerdem versorgten wir sie noch mit gutem Futter. Unser Schiff fuhr gerade durch einen großen Fischschwarm – man konnte das an den unzähligen Lichtpunkten nahe unter der Wasseroberfläche sehen – und die Wale brauchten nur noch ihr Maul aufmachen und schlucken. Sofort machen wir das Licht im Salon aus , denn Wale so nahe am Schiff und das im Dunkeln das ist schon ganz schön unheimlich.

Wir konnten richtig merken, wie die Wale mit uns um die Wette schwammen. Wurden wir langsamer, weil der Wind plötzlich nachließ, ließen sie sich zurückfallen. Kaum wurden wir wieder schneller, konnten wir sie auch schon in unserem Kielwasser sehen und hören und sie zogen ihre Schleifen und Kurven um uns. Das ging bestimmt eine Stunde so. Nun sind wir froh, dass sie die Lust an diesem Spiel verloren haben. Die kleineren Delfine sind uns so nahe am Schiff doch lieber. Ein Thunfisch ging uns zun guter Letzt auch noch an die Angel. Der reicht bis zu unserer Ankunft. Wir schwelgten in Thunfischfilet mit Knoblauch und Backpflaumen in Folie gebacken. Vorher hatte uns mal wieder ein Riesenfisch den Köder samt Haken und ca. 35 m Leine (100 kp Bruchlast) abgerissen. Nun schwimmt bestimmt schon der fünfte Fisch mit einem unserer Haken im Maul im großen Ozean herum. Hoffentlich verliert er den Haken bald und geht nicht jämmerlich zu Grunde. Die „EOS“ kommt einen Tag vor uns an. Wir haben ihnen heute auf der morgendlichen Funkrunde um 08-  30 h schon einen guten Landfall gewünscht. Sie müssen ja nicht lange auf uns warten. Wir kommen morgen spät abends an.

Die letzten 140 sm laufen wir unter Motor, der Wind war auf einmal weg. Der Monsun wird schwächer je näher wir dem Land kommen. Wir sind so gut vorangekommen, dass wir anstelle von 12 geplanten Tagen auf See nur 9,5 Tage brauchten. (Durchschnittsetmal 135 sm).

Das war eine schnelle Reise. Die „SUMMERTIME“ ist so gut gelaufen wie noch nie. Das liegt sicher auch daran, dass wir immer mutiger werden und einen neuen Unterwasseranstrich haben. Wir reffen nicht mehr so häufig und so hat das Schiff größere Chancen, schnell zu sein.


 


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