Reisebericht vom 18.09.2001
Überfahrt Madeira-Kanaren
Unsere beiden neuen Mitsegler aus Dresden, Henri Jost und Jörg Hanzsch (Beide sind Vermesser und 38 Jahre alt.), haben den ersten Schreck überstanden, denn das Gepäck war beim Flieger nicht mit in Funchal gelandet. Glücklicherweise kam es heute mit einem anderen Flugzeug nach. In der guten Woche hier konnten wir auch den elektrischen Steuermann (Autopiloten) reparieren. Der Zahnriemen wurde gewechselt.
Der nagelneue 220 V Benzin- Generator läuft nun auch störungsfrei, nachdem ich den Schmutz, der zur Verstopfung des Benzinhahnes führte, entfernt habe. Er sprang an und nach 20 s war er jedes Mal wieder aus.
Auch die Langdrahtantenne für den KW- Funk ist im Top wieder befestigt worden. Zwei Bretter an denen Ersatzkanister für Diesel festgezurrt werden, habe ich ebenfalls an der Seereling montiert. Wir kommen nun mit unseren 300 l Diesel an Bord etwa 100 Motorstunden hin, was einer Distanz von ca. 600 sm entspricht. Damit können gegebenenfalls längere Calmenzonen oder Passagen überstanden werden.
Leider konnte unser Icemaster- Kühlschrank nicht repariert werden und ich bestehe in der Firma auf Rückzahlung unserer 300 DM, da ich erfolglose Reparaturen äußerst ungern bezahle. Ein Glück auch, dass ich auf einer Quittung bestanden hatte. Eine Aufregung war das in der Firma! Vielleicht war es ganz gut, dass ich vieles nicht verstanden habe. Für eine Nachbesserung haben wir einfach keine Zeit mehr.
Heute soll es nun zu den Kanarischen Inseln losgehen (ca. 270 sm). Proviant und Trinkwasser wurde gebunkert. Der Wetterbericht aus dem Internet und von der Marina verspricht mit NE 3- 4 und das wäre super. Wir klarieren bei Polizei, Zoll und Einwanderungsbehörde aus, da Madeira EU- Außengrenze ist.
Henri und Jörg werden noch in die Sicherheit und Gefahren an Bord eingewiesen. Schließlich sind wir nicht mehr im Greifswalder Bodden unterwegs, sondern auf dem Atlantik. Dazu gehören auch nachts prinzipiell das Anlegen der Lifebelts im Cockpit, um ein Überbordgehen zu verhindern. Das Überbordpinkeln (leider eine Unsitte mancher Männlicher Segler) ist bei uns sowieso verboten, da dies als die Todesursache Nr. 1 bei Wassersportlern gilt. Ich habe selbst einen ertrunkenen Segler im Hafen von Wittdün (Insel Amrum, Nordsee) gesehen.
10- 00 also ablegen und erst mal aus dem Windschatten von Madeira motoren bis wir die geschützten Desertas- Inseln backbord querab haben. 12- 50 werden die Segel gesetzt und wir kommen bei SW 2- 3 mit 3- 5 kn voran.
Die See ist viel ruhiger als bei unserer Überfahrt nach Madeira und der Wind schläft nach 1 ½ Tagen ein, so dass wir die Hälfte der Strecke motoren müssen. Der Himmel ist total bewölkt und es ist die Zeit des Neumondes, so dass die 2 Nächte finster aber mild sind. Wir können kochen, aber leider fangen wir keinen Fisch mit der Schleppangel. Dann gibt es eben wieder Spaghetti Carbonera.
15- 20 am 20.09.01 sehen wir Isla de Alegranza (289 m) und später die Vulkankegel von Isla la Graziosa, wo 20- 50 h die Francesca- Bucht mit 12 anderen Yachten unser Anker- und Badeplatz wird. Mit dem Suchscheinwerfer finden wir unseren Ankerplatz im Dunkeln zwischen den teilweise unbeleuchteten Yachten.
Nach 274 sm in 59 h haben wir die nördliche Kanareninsel erreicht !!
Gleichzeitig haben wir inzwischen seit dem vergangenen Jahr 10.000 sm mit der "SUMMERTIME" zurückgelegt; alles ohne größere Probleme.
Darauf stoßen wir mit einer Flasche Vino Verde an.
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