Reisebericht vom 30.08.2001 

Auf nach Porto Santo (Madeira-Archipel) 

10-  25 Anker auf und nach Lagos zum Diesel-   und Wasserbunkern. Die Butangasflasche wird auch noch getauscht. Wir bleiben zum Stadtbummel gleich am Wartepier der Marina liegen und ich informiere mich noch über das Wetter.

16-  00 geht es los Richtung Madeira. Wir haben 472 sm vor uns und ich rechne mit 3 Tagen und 4 Nächten Fahrzeit. Der Wind bläst kräftig mit 4-  5 bft und der Seegang ist noch mäßig bewegt (2 m Wellen) und wir segeln gerefft.

Die Halterung unserer Langdrahtantenne in der Mastspitze fällt ab und der Draht wickelt sich um die obere Saling. Jetzt kann die Antenne nur provisorisch am Mast festgebunden werden, in der Hoffnung das dies bis Madeira hält.

Wir haben zwei Wachen eingeteilt. Einmal die Frauen und die Männer. Nachts wird nach 3 h und tags wird aller 4 h gewechselt. Das Schiff macht mit 7 kn gut Fahrt. Der Wind nimmt zu bis auf 7 bft und die Wellen werden zunehmend höher (Rauher Seegang 4 m ). Ab Mitternacht segeln wir zweimal gerefft. Bei diesem Seegang und dem Wind holen wir abends Handschuhe, Mütze und das Ölzeug raus. Im Cockpit sind natürlich alle mit dem Lifebelt angegurtet, denn wer nachts über Bord geht, ist mit 99 % tot.

Die Crew wird ganz ruhig und außer mir und Manuela hat auch keiner Appetit. Es läuft das Diätprogramm (Getränke und Zwieback oder Müsli). An Kochen ist in den nächsten Tagen überhaupt nicht zu denken, so wird unsere "SUMMERTIME" bei halbem Wind von den querlaufenden Wellen gebeutelt. Manuela vergleicht das sehr treffend mit Achterbahnfahren. In den nächsten vier Nächten ist Vollmond angesagt und der Atlantik ist wunderbar hell. Wir segeln (wie alle) natürlich ohne eingeschaltete Positionslampen, da unsere Batterien sonst nach einer halben Nacht leer wären.

Früh 06-  00 h geht der Mond unter und bis zum Sonnenaufgang 07-  30 h ist es stockfinster. Früh liegt ein kleiner Tintenfisch an Deck, das muß wohl eine von den größeren Wellen gewesen sein. Alle sind nach der Wache froh, wenn sie wieder schlafen können. Sabine und ich können die Vorschiffkabine überhaupt nicht benutzen. Wir liegen im Salon und schlafen mehr schlecht als recht.

Der elektrische Autopilot arbeitet an der "Schmerzgrenze" und schaltet sich ständig selbst ab. Die Windpilotanlage bekommt beim Amwindkurs den großen Seegang nicht in den Griff und läuft ständig aus dem Ruder bzw. ich finde den Stein der Weisen nicht, um die Anlage optimal einzustellen. Das bringt mir mindestens ein Dutzend graue Haare.

Natürlich kommt, was kommen musste, nach gut zwei Tagen gibt die elektrische Selbststeueranlage knirschend den Geist auf. Die Plastikzahnräder sind vermutlich im Eimer. Unverdrossen heißt es jetzt von Hand steuern. Der Rudergänger wechselt alle 30 Minuten, so merken wir erst mal, wie schwer das Schiff überhaupt auf Kurs zu halten ist bei 2-  4 m hohen kabbligen Wellen.

Am dritten Tag lässt der Wind nach (nur noch 5 bft) und ich koche für die leicht gestörte Crew Skipper-  Spaghetti mit Schinken. Nach der langen Diät können alle wieder etwas leichte Kost vertragen. Die Vorschiffkabine kann für ganz müde nun auch zum Schlafen genutzt werden. In der vierten Nacht 01-  30 h erkennt Sabine das Ansteuerungsleuchtfeuer auf der Ilheu de Cima bei Porto Santo. Man kann den 3-  er Blitz bei 2 m Augenhöhe auf 25 sm erkennen. Ich höre die Freudenrufe der starken Frauenwache.

Das letzten 6 h sind nun nur noch ein Zuckerlecken. Geschafft, 07-  30 h im Morgengrauen fällt unser Anker vor dem Hafen in Porto Santo. Wir schlafen aus, baden bei glasklarem Wasser und frühstücken ausgiebig. 14-  00 h fahren wir zum Einklarieren in den Hafen. Als Zollaußengrenze der EU muß der Zoll, die Einwanderungsbehörde und die Polizei besucht werden. Die Polizei wird von der Marina informiert. Wir haben auch dies nach 2 h erledigt. Niemand kommt an Bord.
 
Geschafft !! 472 sm im 86 h, die Crew hat allen Grund Stolz zu sein !!
 
 


Reiseroute

 


Reiseberichte Madeira

 
» 30.08.2001 - Auf nach Porto Santo (Madeira-Archipel)
» 03.09.2001 - Porto Santo
» 05.09.2001 - Funchal-Madeira(vor Anker)
» 18.09.2001 - Überfahrt Madeira-Kanaren
 
 
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