Reisebericht vom 28.10.2002
Kumai Town, Borneo (Kalimantan)
Heute morgen klingelte um 5 Uhr der Wecker, denn wir sollten um 6.30 Uhr vom Motorboot abgeholt werden. Der Muezzin ruft bereits seit einer halben Stunde die Muslims zum Gebet. Nach einer geschlagenen Stunde Wartezeit kommen endlich unser Führer, eine Wache für unser Boot während der Abwesenheit und der Fahrer. Wir sind so gespannt und voller Erwartungen! Dann sausen wir auch schon den Sekonyer River entlang und haben manchmal Angst zu kentern, so drückt unser Fahrer auf`s Gas. Bei der Geschwindigkeit und dem Lärm ist es natürlich unmöglich, irgendetwas von Natur und Menschen zu sehen, geschweige denn zu filmen. Aber auch gutes Zureden hilft nichts, es geht mit Vollgas weiter. Wer weiß, wie weit der Nationalpark ist? Aber bereits nach anderthalb Stunden sind wir am Camp Leakey angelangt und harren der Dinge, die da kommen sollen. Wir wollen Orang Utans in ihrem natürlichen Lebensraum sehen.
Zuerst geht es im Eiltempo durch den Regenwald auf einem markiertem Pfad. Uns läuft der Schweiß und für eine kleine Pause würden wir viel geben. Aber Noe, unser junger dynamischer Führer, hält nur kurz an manchen Bäumen an, um von den Schildern die Namen der Bäume abzulesen. Na, das hätten wir zur Not auch selbst gekonnt. Er ist sicherlich sehr stolz darauf, lesen zu können. 40 % der Indonesier sind Analphabeten. Über die Orangs erfahren wir nicht viel und zu sehen kriegen wir sie auch nicht. Nach der zweistündigen Tour bringt uns Noe zurück zum Boot – Mittagspause! Nach einer Stunde, die wir allein auf dem glühendheißen Boot mit unserem Lunch verbringen, sitzen wir etwas ratlos da. War das alles? Wie geht es jetzt weiter? Noe will uns doch tatsächlich noch über 2 Stunden hier sitzen lassen, bis zur Fütterungszeit der Affen. Wir protestieren und so führt er uns noch mal zur Station. Auf dem Weg dahin sehen wir endlich ein paar zahme Exemplare, die zur Station gehören. Man soll auf jeden Fall einen gehörigen Sicherheitsabstand wahren, sich nie zwischen ein Männchen und ein Weibchen stellen (hoffentlich erkennt man das gleich) und nicht vor den Affen essen. Sie sind ziemlich groß und Sabine hält ordentlich Abstand. Ich muss mich zum Filmen allerdings näher heranwagen. Orang Utan ist übrigens ein indonesisches Wort und heißt Dschungelmensch. Die Orangs bauen sich jeden Abend ein frisches Blätternest weit oben in den Bäumen und tragen so zur Regenerierung des Regenwaldes bei. Sie haben hier im Nationalpark richtig viel Platz. Die nächsten Stunden verbringen wir am schattigen Rastplatz der Station, wo auch ein zahmes großes Orangweibchen mit Baby hinkommt und Sabine in die Flucht schlägt. Kleine kecke Gibbonäffchen schaukeln in den Zweigen. Nun tun uns die Affen im Zoo erst richtig leid.
Um die tägliche Fütterung der Orangs zu erleben, müssen wir wieder eine Stunde in den Dschungel laufen. Die Futterplätze werden regelmäßig gewechselt, damit die Tiere, die später wieder ausgewildert werden sollen, nicht verlernen, ihr Futter zu suchen. Während wir hier warten, nähern sich schon ganz erwartungsvoll einige Orangs. Sie kommen nicht zu Fuß, sondern schwingen sich ziemlich lautlos durch die Bäume. Das ist sehr beeindruckend. Unser Führer ist mit den Affen vertraut und sie kommen auf Tuchfühlung. Hoffentlich gelingen mir ein paar gute Aufnahmen. Ich sehe die Affen jedenfalls nur durch die Linse meiner Kamera. Wir beschließen, noch vor der Fütterung zum Boot zurückzukehren. Dieses Schauspiel können wir uns auch im Zoo von Singapur anschauen und Orangs haben wir ja jetzt aus nächster Nähe gesehen. Wir hoffen auf ein bisschen mehr Zeit für die Flussfahrt, denn da soll es Krokodile, herrlich bunte Vögel und andere Affen geben. Mit Noe, der ein bisschen Englisch kann, haben wir das besprochen. Er muss es nur noch dem Fahrer klarmachen.
Leider hat der Fahrer für unseren Wunsch nur taube Ohren. Er kennt nur Vollgas! Als wir ein kleines Krokodil entdecken, stoppt er ganz plötzlich die Maschine, aber das Krokodil ist natürlich schon weg. So geht es den ganzen Rückweg. Glücklicherweise sahen wir neben den Orangs auch noch Gibbons, Macaque und Nasenaffen. Auch Süßwasserkrokodile und farbenprächtige Vögel, wie den Nashornvogel und den Kingfisher, konnten wir beobachten. Ich muss erst richtig böse werden, damit er wenigstens einige Male langsamer wird und mir überhaupt ein paar Aufnahmen von der Flussfahrt gelingen.
Bevor es dunkel wird, sind wir schon wieder am Schiff. Fazit: Wir sahen Orang Utans und andere Dschungeltiere, das war klasse. Aber alles andere stimmte nicht und wir zahlten zuviel Geld für diesen Trip.
Harry scheint schon von unserer Unzufriedenheit gehört zu haben, denn nach einer halben Stunde ist er bei uns, um sich zu erkundigen, wie es war. Nun, man kann nicht immer nur alles loben, so beschweren wir uns, damit es anderen Seglern besser geht und Harry rückt 150.000 Rp. als Entschädigung wieder raus. Schließlich macht er ja auch noch mit dem Diesel sein Geschäft. So haben wir alles in allem nach harten Verhandlungen ca. 44 Dollar für diesen Trip bezahlt und finden das nicht so billig.
Unsere große Angst vor den Moskitos (Borneo ist ein Gebiet mit erhöhter Malariagefahr) hat sich so ziemlich aufgelöst. Die Regenzeit beginnt gerade erst und bis jetzt sichteten wir noch keine Moskitos. Dennoch haben wir unser Moskitonetz aufgespannt und lassen die Nacht über eine Räucherspirale glühen. Das schreckt die Biester garantiert ab. Das beste Mittel allerdings ist, sich früh und in der Dämmerung auf dem Schiff aufzuhalten, das in sicherem Abstand vom Land ankert. Das war nur hier im Fluss nicht möglich.
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