Reisebericht vom 17.10.2002 

Benoa Harbour auf Bali, Indonesien 

Auch auf dieser Strecke hatten wir keinen Wind und brauchten viel Diesel. Außerdem hatten wir zeitweise mit enorm starken Strömungen zu kämpfen. Es kam vor, dass wir mit voller Motorkraft nur 1,5 kn fuhren. Solchen starken Strömungen begegneten wir das erste Mal.

Gestern morgen ließen wir den Anker in der Bucht von Awang auf Lombok für einen kurzen Zwischenstopp fallen. Eigentlich hatten wir gehofft, von hier aus mit dem Taxi eine Inselrundfahrt (85.000 Rp) unternehmen zu können. Aber da war wieder mal nichts!

Im Logbuch haben wir notiert: „Wir suchen ein „Bimo“ (Taxi) zum nächsten Ort. Da ist nur ein Japaner mit eigenem Auto, der Lobster in die Hauptstadt bringt. Er würde uns für den unverschämten Preis von 150.000 Rupien im Transporter mitnehmen. Ein zweites Auto wollte für zwei Plätze auf der Ladefläche 250.000 Rupien.“ So fahren wir unverrichteter Dinge zum Boot zurück und es geht weiter.

Bali empfängt uns mit gleißender Sonne und einer Armada von Ausflugsbooten, die uns in der engen Hafeneinfahrt entgegenkommen. Die Bali Marina war unser Agent für das CAIT, die Segelgenehmigung (135 US$ für 3 Monate)) für die indonesischen Gewässer und damit wird das Einklarieren als kostenloser Service von der Marina organisiert. In der sonst vollen Marina sind jetzt freie Liegeplätze(9.50 US$/Tag -   Wasser und Strom muß extra bezahlt werden).

Zwei Beamte kommen an Bord und die „SUMMERTIME“ wird eine Stunde auf den Kopf gestellt wie noch nie. Sicherlich hängt es auch mit der angespannten Situation nach dem Bombenattentat zusammen. Übrigens wird hier in Indonesien auf Rauschgiftschmuggel die Todesstrafe vollstreckt.

Bali trauert nach dem furchtbaren Bombenattentat vom 12.10.2002, bei dem über 180 Menschen ihr Leben verloren und Hunderte verwundet wurden.

In Kuta, dem Touristenviertel von Bali, ist das ganze Ausmaß der Zerstörung zu sehen. Eine unvorstellbare Katastrophe !! Überall bewaffnete Sicherheitskräfte – zu spät!! Mich hat am tiefsten ein Berg mit teilweise halbverbrannten Schuhen berührt, die in den Trümmern gefunden wurden. Es gibt immer noch Vermisste. Hunderte Kränze, Plakate zeugen von der Anteilnahme und dem Mitgefühl für die Angehörigen. Täglich gibt es Trauerzeremonien.

Nun sind wir also in Bali, haben es gewagt, trotz des Bombenattentates.

Auf Schritt und Tritt begegnen uns die Auswirkungen des Terrors. Die Strände sind leer und die Souvenirstände sind voll oder geschlossen, in den Restaurants jede Menge freie Plätze. Überall sind große Kränze zum Zeichen der Trauer aufgestellt. Viele Einheimische fragen uns: “Habt Ihr keine Angst?“ Doch, auch wir haben Angst, denn die Täter sind noch nicht gefasst und drohen mit neuen Anschlägen. Die Nachrichten sind voll davon (wir können in der Marina das CNN-  Fernsehprogramm sehen). Seit dem Attentat haben 30.000 Urlauber diese schöne Insel innerhalb einer Woche verlassen.

Wir wollen trotzdem die Insel sehen und für 13 € pro Tag stürzen uns mit einem alten Suzuki in das Verkehrschaos. Da hier Linksverkehr ist, muss ich mich leicht umgewöhnen, das Lenkrad und der Schaltknüppel links. An gleichrangigen Straßen hat der Linke die Vorfahrt. Zweimal hätte es fasst geklappt und nur eine Notbremsung rettete die Mopeds. Bei einem Sicherheitsabstand von mehr als 3 m zum Vordermann hupen alle, hupen gehört zum Fahrstil, und die Mopeds überholen gleichseitig auf beiden Seiten. Bei über 30°C im Schatten ist so ein Tag richtig anstrengend. Es geht zum heiligen Agung Vulkan ins Gebirge und zu den mehr als 1.200 Jahre alten Besakih-  Tempeln. Die Balinesen sind ganz geschickte Handwerker mit allen Materialien. Die Holz-   und Steinbildhauer sind wirkliche Künstler, eigentlich für einen Hungerlohn (50 € im Monat). Das für uns Deutsche ungewohnte Feilschen gehört beim Einkaufen natürlich dazu. Im Normalfall beginnt jeder Verkäufer mindestens mit dem Doppelten – Sieger ist der mit dem besseren Pokerface.

Nachdem wir nun drei Tage mit dem Mietauto unterwegs waren, unseren Proviant eingekauft haben und fast alle Tempel sahen, geht es morgen weiter nach Singapur über Borneo -   Kalimantan (Kumai River). Dort wollen wir uns einige der letzten freilebenden Orang Utans ansehen, die im dortigen Nationalpark leben. Wir sind allerdings etwas beunruhigt, da Borneo zu den gefährlichen Malariagebieten gehört. Wir haben zwar sicherheitshalber ein Notfallmedikament (Lariam) an Bord, aber eigentlich wollen wir es nicht ausprobieren.


 


Reiseroute

 


Reiseberichte - Indonesien

 
» 06.10.2002 - Dili, East Timor
» 07.10.2002 - Dili, East Timor
» 10.10.2002 - Flores, Indonesien
» 12.10.2002 - Komodo Nationalpark, Indonesien
» 14.10.2002 - Hu-U auf Sumbawa, Indonesien
» 17.10.2002 - Benoa Harbour auf Bali, Indonesien
» 23.10.2002 - Kangean Island, Indonesien
» 26.10.2002 - Kumai River, Borneo (Kalimantan)
» 27.10.2002 - Kumai Town, Borneo (Kalimantan)
» 28.10.2002 - Kumai Town, Borneo (Kalimantan)
» 31.10.2002 - Serutu Island, Indonsien
 
 
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