Reisebericht vom 12.10.2002
Komodo Nationalpark, Indonesien
Mit schwachen Winden halb segelnd und halb unter Motor erreichen wir die Insel Komodo, dort wo auch Komodo Village liegt. Hier in dieser trockenen kargen Landschaft mit den hohen Bergen ist die Heimat der Komodo Drachen. Diese größte Eidechsenart der Welt wird bis zu 3 m lang und erinnert sehr an Urtiere. Sie sind nur hier und auf zwei Nachbarinseln anzutreffen. Auf der Fahrt zu dem Ankerplatz sind zwischen den Inseln sehr starke Wirbel und Strömungen. Wir fahren unter Maschine teilweise nur 2,1 kn und die „SUMMERTIME“ wird regelrecht um 40 – 50° gedreht und vom Kurs abgebracht - ein riesiger Whirlpool.
Wir ankern zuerst in der Nähe des Dorfes zwischen zahlreichen abenteuerlichen Fischerbooten mit beidseitigen Auslegern aus Bambus. Der Anker ist noch nicht auf dem 14 m tiefen Grund angekommen, da haben wir schon 10 Kanus längsseits und mindestens 30 Holzdrachen, Holzmasken, Muscheln und 6 Mann an Bord. Mit einer Selbstverständlichkeit breiten sich die Händler aus und alle rufen ständig „Mister, Mister“. Als Erstes schicke ich die Truppe von Bord in die Kanus zurück. Sabine „liebt“ solche Überfälle und ist im Boot verschwunden. Nach einer halben Stunde haben einige verstanden, dass wir die Nacht unterwegs waren, erst einmal frühstücken und schlafen wollen. Wenn wir etwas kaufen, dann später. Alle wollen uns zu den Drachen führen und unterbreiten ihre Angebote als Führer. Der hartnäckige Kern bleibt am Schiff, während wir frühstücken nach durchwachter Nacht. Mir will der Kaffee nicht schmecken, wenn ständig die Kanus an das Schiff stoßen. Ich gehe ins Cockpit und sehe auch noch, dass sich zwei Kanus an unsere Windfahnensteuerung angebunden haben. Da ist es aus mit meiner Freundlichkeit, ich binde sie kurzerhand ab und den Rest haben sie alle verstanden, obwohl ich kein indonesisch kann.
Nach unserem Frühstück kommt der 19- jährige Ergy mit seinen beiden kleinen Brüdern längsseits. Er entschuldigt sich diplomatisch für die Störung und meint, das hier wäre kein guter Ankerplatz zum Ausruhen nach einer langen Überfahrt zwischen all den Fischerbooten. Er zeigt uns gleich einen besseren am anderen Ende der Bay und dort fahren wir auch unverzüglich hin. Wir sind weit und breit die einzige Segelyacht. Im NE der Bucht liegt ebenfalls die Rangerstation des Nationalparkes. Ohne Führer darf man den Park nicht betreten und es wird immer noch die Story aus den 70- ziger Jahren erzählt, als von einem Schweizer nur noch die Kamera und ein Schuh gefunden wurde. Ergy bringt uns mit seinem Fischerboot zum Office und wir bezahlen dort für eine 3- tägige Aufenthaltsdauer im Nationalpark 20.000 Rp pro Nase, 2.000 Rp für das Ankern der Yacht und 30.000 Rp für den Ranger. Jeder wird mit Name, Adresse, Passnummer usw. in einem großen Buch vermerkt, so kann ich sehen, dass in der letzten Woche nur ca. 75 Besucher hier waren. Bei gnadenloser Hitze geht es danach drei Stunden zu Fuß durch den Wald. Es hat sich wirklich gelohnt - wir sehen große Hirsche, Wildschweine, Kakadus und mehrere Komodo Dragons, bis zu 2,50 m Länge.
Wir bleiben den Rest des Abends unbehelligt und natürlich kaufen wir bei Ergy nach harten Verhandlungen die kleinen von seinem Vater geschnitzten Holzdrachen. Er und seine Crew werden noch mit Basekaps und T- Shirts ausgerüstet. Es ist der ruhigste Ankerplatz seit längerer Zeit. Das Wasser ist so sauber und ohne Krokodile, Haie und Stinger, dass wir seit Wochen das erste mal wieder baden können.
Am Morgen geht es weiter nach Sumbawa. Wir brauchen Diesel.
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Reiseroute
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