Reisebericht vom 10.10.2002
Flores, Indonesien
Im Morgengrauen sehen wir bereits die eindrucksvolle Gebirgskulisse von Flores mit den bis 1.800 m hohen Vulkankegeln. Die größte überwiegend muslimische Stadt der Insel hat zwei große verfallene Anlegepiere und einen Leuchtturm. Dazwischen ankern all die vielen kleinen und größeren Fischerboote. Wir sind die einzige Segelyacht in der Bay. Der Muezzin ist aus den Lautsprechern zu hören und wir sehen die große silberglänzende Kuppel der Moschee. Die Dächer der anderen Hütten und Häuser sind alle mit rostigem Wellblech gedeckt. Die Menschen staunen und winken uns freundlich zu. Wir winken zurück. Also wird ruckzuck das Dingi klargemacht, bevor es noch heißer wird. Unser 6 Jahre alter 4 PS Mariner – Außenborder springt wie immer gleich an und ab geht es mit vier leeren 20 l Kanistern zum Strand. Zwischen zwei größeren Wellen kommen wir halbwegs trocken an Land. Der schwarze Sand vulkanischen Ursprungs ist so heiß, dass wir nicht barfuss laufen können.
Als erstes brauchen wir eine Bank oder einen Bankautomaten, da wir keine Rupien haben. Eine der vielen Kleinbustaxen hält an und wir werden zu einer Bank gefahren. Ich bezahle mit einem US$ und alle im Bus staunen. Die Banknote wird im Taxi herumgereicht und ich bekomme 5.000 Rupien zurück. 9.000 Rupien sind 1 US$. Die erste Bank akzeptiert keine Mastercard, aber bei der zweiten Bank haben wir Glück. Wir stellen unsere Kanister ab und werden zum Sitzen aufgefordert. Dann geht es an die Formulare - Papiere werden ausgefüllt. Die Frau am Schalter spricht etwas Englisch und sagt, dass sie eine Kopie der Kreditkarte und des Passes brauche. Allerdings gibt es in der Bank keinen Kopierer und so fährt ein Securitymann mit dem Moped sowie Pass und Kreditkarte los. Nach 25 Minuten ist er schon wieder zurück und die Bankangestellte lässt alles noch mal von ihrer Chefin gegenzeichnen. Anschließend geht es an die Kasse und für ca. 115 € wird man hier zum Millionär. Toll !!!
Es dauert nur etwa eine Stunde und zum Glück funktioniert die Klimaanlage. Bankautomaten gibt es keine in der Stadt.
Weiter geht’s mit unseren Kanistern in das Minang Baru Restaurant, wo wir als einzige Gäste von einer muslimischen Kellnerin bedient werden. Sie gibt uns eine Speisekarte teilweise in Englisch und Indonesisch sowie Stift und Papier. Wir bestellen bei 35 °C im Schatten nur etwas zu trinken und zwei Vorspeisen. Nach einer knappen Stunde bringt sie uns etwas völlig anderes - Spinat mit Knoblauch. Wir haben Zeit und warten weiter, bis uns klar wird, dass das unser ganzes Essen war und die Kellnerin gar nicht lesen kann. So bezahlen wir nach fast zwei Stunden, in denen die ganze Familie mit uns indonesisches Fernsehen geschaut hat.
Nun brauchen wir aber ernsthaft eine Tankstelle, also geht es mit den Kanistern im Taxi für 0,5 € zur 3 km entfernten „Pompa Benzina“. Dort stellen wir uns mit in die Reihe beim „Solar“ (Diesel) an. Auf einigen LKW´s wird aus Plastikkanistern der Diesel von der Tankstelle sofort in rostige Fässer zum Wiederverkauf gefüllt. Diesen Kraftstoff sollte man möglichst nicht kaufen. Hier tanken wir übrigens den preiswertesten Diesel auf unserer bisherigen Weltreise für 0,16 €/l (1.440 Rupien).
Zurück am Strand finden wir unser Dingi zum Glück unversehrt. Es gab keine Möglichkeit, das Dingi mit unserem langen Stahlseil irgendwo anzuschließen. Aber, oh Schreck, was für eine Welle sich inzwischen am Strand bricht. Da kommen wir niemals trocken mit den vollen Kanistern zur „SUMMERTIME“. Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen und warten auf Niedrigwasser. So haben wir alle Zeit der Welt, um uns umzusehen. Der Strand ist voller Müll und das Abwasser läuft stinkend ins Meer, denn es ist Trockenzeit. Zahlreiche Ziegen finden hier ihre Nahrung. Die Kinder baden quietschvergnügt neben einem verendeten Ziegenkadaver und vor uns verrichten die Fischer ganz selbstverständlich ihre Notdurft am Strand. Der schwarze Sand verstärkt noch den Eindruck. Wir werden aber weder angebettelt noch belästigt, viele schauen eher ehrfürchtig und grüßen uns freundlich. Es ist schon ein leichter Kulturschock !!!
Außer uns gibt es noch zwei Touristen in Ende. Es ist ein holländisches Ehepaar aus Friesland, sie wollen hier am Strand den phantastischen Sonnenuntergang filmen. Wir unterhalten uns wunderbar und so haben wir nach 2 Stunden des Wartens noch eine Hilfe bei der Dingirückfahrt. Die Kamera sowie die Bootspapiere wurden inzwischen in unserem wasserdichten Packsack verstaut, denn wir rechnen mit dem Schlimmsten. Die schweren Kanister werden auch noch am Dingi festgebunden. Ich bin einmal in der Karibik gekentert – das dauert nur eine Sekunde. Damals versuchte ich in St. Lucia die Bootspapiere der Crew zu retten, was auch gelang, aber meine nagelneuen Bootsschuhe, ein Geburtstagsgeschenk von Sabine, waren weg. Die Einheimischen hatten natürlich auch ihren Spaß und anschließend tauchte eine ganze Truppe von Jugendlichen nach meinen Schuhen. Als dann beide gefunden waren, kaufte ich jeden Schuh für 10 US$ wieder zurück.
Wir schaffen es also tatsächlich zwischen zwei Wellen vom Strand loszukommen und der Außenborder springt auch sofort an, aber er geht gleich wieder aus. Wir greifen unverzüglich zu den Paddeln und können gerade noch ein Querschlagen und Kentern des Dingis verhindern. Wir paddeln wie die Weltmeister um ins offene Wasser zu kommen. Dort sehe ich nach dem Propeller des Außenborders und entferne das Knäuel von Seegras und Fischernetzresten. Wir sind heilfroh, wieder an Bord zu sein und beschließen, hier nicht noch mal mit dem Dingi zu landen.
Die Nacht ist 04- 40 h zu Ende, denn der Muezzin hat die Lautsprecher auf Anschlag aufgedreht und ruft lautstark zum Gebet. Nach 20 Minuten können wir noch etwas schlafen.
Am Morgen werden die Fährpassagiere zu den Inseln ebenfalls mit kleinen Holzkanus auf die größeren Holzboote gebracht. Für uns ist das wie Fernsehen. Viele winken uns zu.
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Reiseroute
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