Reisebericht vom 14.01.2002
Grenada 2
Heute suchen wir erst mal die Botschaft von Venezuela, denn wir wollen hier unsere Visa beantragen, um dann später bei unserer Einreise nach Venezuela keine Probleme zu kriegen. Also geht es mit dem Dingi in die Stadt und von da aus zu Fuß zur Botschaft. Die Leute, die uns Auskunft geben, beteuern alle, dass es sehr, sehr weit ist, aber wir meinen, ein kleiner Fussmarsch kann uns nach der vielen Segelei nicht schaden.
Vorbei geht es auch an der Zollstelle. Genau davor bieten viele Einheimische Conches zum Kauf an, denn es hat gerade wieder mal ein "Traumschiff" angelegt und verspricht gute Geschäfte. Conches sind eine besondere Meeresschneckenart (Fechtnerschnecke), die vom Aussterben bedroht ist und deshalb besonders geschützt werden soll. Die Einfuhr dieser schönen rosafarbenen Schneckengehäuse nach Europa oder in die USA ist streng verboten und wir mit Geldstrafe geahndet und wir finden es ziemlich verwunderlich, dass solche genau vor dem Zollgebäude feilgeboten werden können. Hier in der Karibik wird auch Conch (oder Lambi) als Suppe und Braten auf der Speisekarte angeboten. Mittlerweile müssen die Schnecken schon aus grosser Tiefe hochgeholt werden und wir konnten in Mystique sehen, wie bergeweise tausende leerer Gehäuse von geschlachteten Schnecken am Strand lagen.
Nach einer Stunde Fussmarsch bei 30 Grad Hitze und immer bergauf kommen wir endlich in der Botschaft von Venezuela an. Andauernd hupt ein Auto und scheucht uns zur Seite. Hier gibt es keine Fusswege und als Fussgänger lebt man ziemlich gefährlich. Die Visa zu bekommen ist kein Problem, in 3 Tagen können wir sie abholen, nachdem wir pro Person 31 US- Dollar im Voraus bezahlt haben.
Am Dienstag sind wir mit den Vieren von der "Makani", Friedrichshafen, verabredet und machen eine Inselrundfahrt mit dem Grossraumtaxi. Das kostet für jeden 30 EC- Dollar (ca. 26 DM) und ist sehr kurzweilig. Weil das ein gutes Geschäft für den Taxifahrer ist, erklärt er uns die einheimische Flora und Fauna. Wir sehen das Wahrzeichen von Grenada – die "Nutmeg" (Muskatnuss) am Baum hängen. 50 %m des Weltbedarfes wächst hier. Aus der weichen Schale gewinnt man hier süsses Gelee (Marmelade), das rote Innere der weichen Schale kann man als Gewürz für Fisch nehmen, dann kommt eine harte Schale, mit der man hier die Wege bestreut, wie bei uns zu Hause mit Kies, und erst dann kommt die eigentliche Nutmeg. Ich glaube, zu Hause würde niemand diesen Baum als Muskatnussbaum erkennen. Dann bewundern wir noch viele reife Kakaofrüchte – es ist gerade Erntezeit – und eine Menge Grapefruitbäume und Bananenstauden.
Die Häuser der Einheimischen stehen fast immer auf Pfählen und sind oft aus Holz gebaut. In einem Dorf halten wir noch an und kaufen für einen guten Preis Früchte. Sabine ersteht eine Brotbaumfrucht, die wollen wir heute mal probieren. Sie soll wie Kartoffel schmecken.
Am Mittwoch holen wir unsere Visa ab, diesmal fahren wir mit dem öffentlichen Bus, und gehen noch ins Internetcafe, um die neuesten Nachrichten von zu Hause zu bekommen. Es ist sehr heiß und man wird träge.
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