Reisebericht vom 16.04.2002 

Galapagos Inseln 

12-  50 h, wird der Anker aufgeholt und wir verlassen die sehr unruhige Ankerbucht Richtung Fatu-  Hiva in den Marquesa Islands. Rund 3.100 sm liegen vor uns. Also vier Wochen keine Nacht durchschlafen und eine schaukelige Aktion beim Essenkochen und Essen. Wir haben auf dem Tisch rutschfeste Gummiunterlagen, damit der Teller bei einer Welle nicht davon schießt. Wir werden hoffentlich die windschwache Äquatorzone recht bald verlassen haben, um auf den Südostpassat zu kommen. Dazu richten wir unseren Kurs am Anfang etwas südlicher.

Die ersten zwei Tage lassen wir uns in den Flauten durchschaukeln, denn bei einer Seereise von 3 bis 4 Wochen müssen wir natürlich auch mit unserem Diesel haushalten. Im Normalfall läuft unsere Maschine jeden Tag mindestens eine halbe Stunde, um den Kompressor-  Kühlschrank zu betreiben und die Batterien zu laden. Falls keine Sonne unsere Solarzelle anlacht, lassen wir den Motor eine Stunde laufen. Die Hauptverbraucher sind die Dreifarben-  Positionslampe im Top, das SSB-  Funkgerät, der Laptop, das Radio mit CD-  Player und natürlich das Licht im Schiff an den langen Abenden.

Es gibt nur eine kurze Dämmerungsphase und danach ist es 12 h dunkel bis die Sonne wieder aufgeht. In den Nächten wechseln wir uns aller 2 Stunden mit der Wache ab und tags handhaben wir die Wache flexibel. Für Segelmanöver weckt mich Sabine oder umgekehrt. Es ist zwar mit weniger Schiffsverkehr im weiten Pazifik zu rechnen, aber wir sind nicht allein unterwegs. Gottvertrauen, dass keiner kommt, reicht nicht aus. Man sollte schon aller 15-  20 Minuten einen Rundumblick machen. Bei schlechter Sicht oder Regen natürlich in kürzeren Abständen. Eines Mitternachts, am 10. Tag, passiert ein großer Tanker unsere Kurslinie in einer guten Meile, nachdem ich unseren Kurs verändert habe. Meine 5 Anrufe über VHF-  Funk, Kanal 16, verhallen ungehört und unbeantwortet. Ich bin mir nicht sicher, ob dort einer Ausschau gehalten hat. Entsprechend den Internationalen Kollisionsverhütungsregel ist ein Schiff unter Segeln Kurshalter und ein Motorschiff muss ausweichen, unabhängig von der Größe. Es ist natürlich der Gesundheit und sicher der Lebenserwartung zuträglicher, wenn man nicht immer auf seiner "Vorfahrt" besteht. Schließlich haben wir noch viel vor.

Am dritten Tag nimmt unsere Fahrt langsam zu. Einmal durch den Süd-  Äquatorialstrom und dann durch den beständigeren SE Wind, so dass wir 126 sm als Etmal machen. Der vierte Tag bringt uns sogar 145 sm voran und wir haben den Süd-  Ost-  Passat erreicht. Abends gegen 20-  30 h tauchen ganz dicht am Boot zu beiden Seiten 4 Pilotwale von ca. 4 m auf. Zweimal gibt es eine Kollision mit einem Wal und das ganze Boot wird erschüttert. Leider ist es vollkommen dunkel, der Mond ist noch nicht aufgegangen, sonst hätte ich das blasse Gesicht von Sabine gesehen. Bei einem 13 m Pottwal wäre ich unter Garantie auch blass geworden, denn das kann schon gefährlich werden.

Der 8. Tag bringt etwas Leben in den Bordalltag. Bei einer schwarzen Regenwolke, die natürlich auch eine Böenwalze mitbringt, zerknallt unser mürbes Großsegel. Am Abend hat sich der Wind und der Seegang etwas beruhigt und ich wechsle angeleint mit meinem Lifebelt das Großsegel. Glücklicherweise haben wir ein Ersatzgroß und eine Ersatzgenua an Bord.

Voller Erschütterung hören wir im Funknetz und auf der Deutschen Welle vom Amoklauf eines 19-  jährigen in Erfurt, der 17 Menschen den Tod bringt, bevor er sich selbst umbringt. Wir sind sprachlos und denken an die Familien der Opfer, die Schüler des Gymnasiums und auch an die Familie des Amokläufers.

Wir feiern nach 12 Tagen Bergfest und haben damit mehr als 1.500 sm weg. Danach nimmt der Wind ständig ab bis auf 2-  3 Windstärken und wir dümpeln mit etwa 3 kn über den Pazifik. In dieser Zeit hilft uns glücklicherweise noch der Süd-  Äquatorial-  Strom, aber die gefürchteten Entenmuscheln siedeln sich in dieser Flaute an unserem Rumpf an. Damit ist es nun endgültig vorbei mit einer geplanten zügigen Überfahrt von 24 Tagen. Eine Woche haben wir mit dem Schwachwind zu kämpfen. Bei wenig Wind kann der Windpilot das Schiff nicht steuern und wir nehmen den elektrischen Autopiloten. Der gibt am 4.Tag endgültig den Geist auf. Über Funk hören wir vom Schweizer Schiff "Jamoa" mit Sina und Max, dass ihr elektrischer Rudergänger auch kaputt ist. Leider haben sie keinen Windpiloten an Bord und so müssen sie abwechselnd am Ruder stehen. Das alles bei über 2.500 sm bis zum Ziel. Das ist einer meiner Alpträume. Nachts müssen sie Beidrehen, um etwas zu schlafen. Wir setzen den Blister, holen ihn wieder rein, damit er bei Windstille nicht ins Wasser fällt und lassen auch mal 3 Stunden den Motor laufen. Wir versuchen Schmetterlingssegeln, aber das Schiff rollt so stark in der Dünung, dass uns das Knallen der Segel richtig weh tut. Selbst der NE-  Wind von 15-  20 kn, der uns ab dem 24.Tag wieder erfreut, bringt uns kaum über 100 sm pro Tag voran. Die Entenmuscheln bremsen die "SUMMERTIME" total. Ungefähr so wie Autofahren mit angezogener Handbremse.

Die finnische "AIDA", eine Svan 42, hat uns schon lange überholt und ist nach 19 Tagen in Fatu-  Hiva angekommen. Der Skipper Jari mit seiner Verlobten Marianna sind noch vor der Flautenzone in den Marquesas angekommen.

Zum Glück ist die Verpflegung durch unsere Schleppangel gesichert. Es gibt nicht nur Reis und Spaghettis, sondern viel Thunfisch und Goldmakrelen in allen Variationen fangfrisch und nicht aus der Büchse. Unser größter Thun misst 60 cm und wiegt etwa 10 kg. Wir können gar nicht alles essen.

Der tägliche Funkkontakt mit anderen Seglern tröstet uns etwas. Keiner ist in unserem Flautenloch groß schneller; es kochen doch alle nur mit Wasser. Wir hören auch von der Strandung der holländischen Yacht "Antares" auf dem unbewohnten Atoll Temoe südlich der Gambier-  Inseln in den Tuamotus. Die Crew wurde glücklicherweise von der Küstenwache gerettet. An Bord soll der Windpilot als einziger wach gewesen sein und der Wind hat gedreht, so dass der Windpilot den Kurs mit der Winddrehung änderte bis es einen großen Crash gab. Das war dann das Korallenriff und die Wellen "zerlegen" ein Boot in kurzer Zeit. Die Tuamotus werden nicht umsonst der Schiffsfriedhof des Pazifik genannt.

Auf alle Fälle lässt es sich nicht verhindern, dass wir unserem Ziel langsam aber ständig näher kommen. Nach 27 Tagen ertönt mein Ruf: "Land in Sicht", denn die Vulkankegel sind über 1000 m hoch und wir können sie auf 42 sm in den Wolken schwach erkennen. Leider schaffen wir diese Distanz nicht mehr, um bei Tageslicht anzukommen und so reduzieren wir unsere Fahrt auf 2 kn. Den unbefeuerten 11 Fuß hohen Thomasset-  Rock 15 sm vor Fatu-  Hiva lassen wir 5 sm an backbord liegen. Am Nordkap, dem Punta Tevaii, holen wir noch im Dunklen die Segel ein und motoren bis in die Bahia Hanavave (Jungfrauenbay). Die steilen grünen Berge sind beim Sonnenaufgang eine einmalige Kulisse. Wir sind in der Südsee – Landfall of Paradise!

Hier fällt nach 27,5 Tagen Überfahrt und 3.083 sm das "Eisen" – geschafft. Das war die längste Non-  Stop-  Strecke unserer Weltumsegelung.

 
 


Reiseroute

 


Reiseberichte Panama

 
» 12.04.2002 - San Christobal, Galapagos Inseln
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