Reisebericht vom 02.07.2002
Suva Harbour, Fiji
Nach 4 Tagen auf See sind wir glücklich, angekommen zu sein. Die letzten beiden Tage hatten wir sehr schlechtes Wetter. Es stürmte und regnete, eine Kaltfront wechselte die andere ab. Dafür brauchten wir wieder mal nicht auf unsere Konservenvorräte zurückgreifen, denn kaum hatten wir die Angel rausgelassen, hing schon ein großer Mahi- Mahi dran, der für die 4 Tage reichte.
Am Samstag hörten wir in der Funkrunde vom Fußballfinalspiel Deutschland gegen Brasilien. Gerhard tauschte extra die Wache , denn er wollte in der Nacht das Spiel am Radio verfolgen. Leider konnte er keine Frequenz finden, auf der ein klarer Empfang möglich war und so hörten wir erst am nächsten Morgen - auch wieder in der Funkrunde - ,dass Deutschland nun Vizeweltmeister ist. Unser Daumendrücken hat also nicht geholfen. Wir finden, es ist dennoch eine großartige Leistung unserer Mannschaft. Herzlichen Glückwunsch !!! Es kann schließlich nur einer siegen und die nächste Weltmeisterschaft kommt bestimmt- sogar nach Deutschland.
In der letzten Nacht mussten wir wieder die Segel reffen, um langsamer zu werden, damit wir die schwierige Hafenpassage bei Tageslicht nehmen können. Hier ist wie fast überall an den Südseeinseln ein Korallenriff vorgelagert, das allerdings betonnt und mit Richtfeuern versehen ist. Man könnte also auch nachts reinfahren, aber wir wollen dieses Risiko nicht eingehen – soviel Zeit muß sein!!! Kurz vor der Einfahrt überrascht uns noch eine Regenfront. Der Regen ist so dicht, dass wir gar nichts sehen können und erst mal abwarten müssen. Zum Glück ist der Regen nach einer halben Stunde vorbei und wir können einfahren.
Kaum liegen wir im Quarantänegrund vor Anker und haben uns über VHF 16 beim Suva Port Control gemeldet, kommt schon der Health Offizier an Bord. Aber alles ist ganz easy, er fragt, ob wir gesund sind und ob wir frische Lebensmittel an Bord haben und nachdem wir seine Formulare ausgefüllt haben, lässt er sich gleich wieder abholen. Wir gehen danach in die Stadt zum Einklarieren.
Die Stadt macht einen lebhaften Eindruck und gefällt uns gleich. Ein Riesenunterschied zu dem verschlafenen Neiafu. Wir sehen gleich mehrere Internetcafes, überall Imbissstände, ganz viele Inder, den herrlichen Gemüsemarkt und stürzen uns ins pulsierende Leben. Hier ist endlich mal wieder alles billig. Das Taxi in die Stadt kostet 2 Fiji Dollar ca. 1€, wir essen Mittag beim Chinesen für 7 F Dollar, dafür werden wir wieder um so mehr Geld beim Souvenirkauf los.
Im Yachtclub treffen sich alle Segler zur Happy Hour – ein Bier für 1,10 F Dollar. Hier liegen im Moment 7 deutsche Yachten und es gibt genügend Gesprächsstoff. Endlich treffen wir Ulf mit seiner „JOSEPHINE“ wieder. Das letzte Mal sahen wir uns in Panama. Wir waren zusammen losgefahren in Richtung Galapagos und hatten uns dann aus den Augen verloren. Beim Bier erzählt uns Ulf, dass er an Galapagos vorbeigesegelt ist, weil er unbedingt diese lange Strecke (4000 sm) machen wollte. Das können wir gar nicht richtig verstehen, denn unser Ding sind diese langen Strecken nicht. Ulf war bereits 3 Wochen früher als wir in Tahiti, hat aber auch Niue nicht gesehen und liegt nun hier schon 3 Wochen, um das Stadtleben zu geniessen.
Ulf geht es genau wie uns: er weiss noch nicht so genau, wie es weitergehen wird. Er will auch im nächsten Jahr zu Hause sein und hat die Wahl zwischen der Umschiffung von Südafrika oder der Fahrt durch das Rote Meer. Der Vorteil beim Segeln durch das Rote Meer ist, dass man nicht so zeitig von Darwin in Australien los muss und sich auch noch Indonesien, Malaysia, Thailand und Sri Lanka in Ruhe ansehen kann, ehe man im Januar, Februar zum Roten Meer startet. Auch wir überlegen, ob wir nicht diese Route wählen.
Um Südafrika zu erreichen, müssten wir bereits im Oktober den Indischen Ozean überqueren (Hurrikansaison) und das artet langsam in ein RENNEN um die Welt aus, wir kommen gar nicht mehr zum Luftholen. So machen wir also jeden Morgen neue Pläne und halten uns noch alles offen. Erst mal Cairns am Great Barrier Reef erreichen, dann Darwin und dann sehen wir weiter ! Im Moment ist hier Regenzeit und das bekommen wir deutlich zu spüren. Es regnet täglich viele Stunden, die Sonne hat keine Chance. Es ist wie bei uns im November - nur wärmer. Ich muss sogar unsere Wäsche in den clubeigenen Trockner stecken, weil sie draussen nicht trocken wird. So nutzen wir die Zeit für dringende Arbeiten an Bord und beschäftigen uns mit der Geschichte dieser Insel.
Das hier ist das richtige „Menschenfresserland“. Hier war der Kannibalismus sehr ausgeprägt. Es gab keine Gefängnisse, dafür war der „andere“ Brauch da. Für das Essen von Menschenfleisch gab es sogar extra Gabeln (sonst wurde mit den Fingern gegessen), wir haben sie im hiesigen Museum sehen können und noch einiges mehr über die Fijijaner erfahren. Der Kannibalismus ist seit der Zeit der Missionare, die auch hier sehr fleißig waren, endgültig vorbei. Den Missionaren von Fiji (drei davon wurden gefressen!) wurde im Museum eine große Vitrine gewidmet.
Ausserdem konnten wir riesengroße Auslegerkanus, mit denen die Insulaner die Südsee entdeckten, bewundern. Diese katamaranähnlichen Fahrzeuge waren bis 35 m lang. Die Südseeinseln wurden ja vermutlich von Asien her besiedelt. Wenn man diese großen Kanus sieht, dann kann man sich vorstellen, dass asiatische Ureinwohner damit hierher kommen konnten. Diese Art der Entdeckung flößt uns großen Respekt ein.
Nach den Missionaren kamen dann die Geschäftsleute hierher, die erst mal die Natur rigoros veränderten, um Zuckerrohr anbauen zu können. Dann holten sie als billige Arbeitskräfte viele Inder auf die Insel. Auch heute kann man das noch deutlich erkennen. Die Inder damals mussten einen Vertrag auf 10 Jahre unterschreiben und blieben danach meistens hier, um als „freie“ Menschen zu arbeiten. Wirklich frei waren sie ja nicht, denn sie hatten eigentlich keine Wahl: Für die Heimreise reichte das Geld nicht und das Gesetz verbot ihnen, Grundeigentum zu erwerben. So konnten sie weiter nur Lohnarbeiter bleiben.
Die sehr rührigen Inder brachten es dennoch so weit, dass sie inzwischen die Wirtschaft von Fiji beherrschen. Nur ein Aufstand der Fijijaner verhinderte vor 20 Jahren, dass die Regierung zur Mehrheit von Indern gebildet wurde. Nun gibt es ein Gesetz, welches den Anteil von Indern und Fijijanern regelt. Hier in Suva sieht man ein buntes Gemisch von Indern, Polynesiern und Melanesiern, dazwischen noch viele andere asiatische Völkergruppen. In den kleinen Läden verkaufen überwiegend Inder oder sitzen gleich mit ihrer Nähmaschine im Laden und nähen. Uns Touristen sieht man hier aber doch mit freundlichem Erstaunen an und oft sieht man die Einheimischen hinter vorgehaltener Hand über uns kichern. Wahrscheinlich kommen wir ihnen ziemlich exotisch vor.
Im Moment heißt es aber überall, wenn das Gespräch darauf kommt, dass wir aus Germany sind: „ Ah, the German Soccer (so heißt Fußball hier), Final , verry good !“
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Reiseberichte - Fiji
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