Reisebericht vom 15.06.2001
Bordarbeiten
Freitag früh 06.30 Uhr düse ich mit unserem Leih- BMW von Joe Kraemer nach Palma zum Flughafen. Sabine ist doch wiedergekommen und hat sich davon überzeugt, dass Emily, unser fast 2- jährige Enkeltochter, sowie Anke und Susanne, unsere beiden Töchter, wohlauf sind und es ihnen gut geht. Mütter denken ja häufig, dass ihre Kinder allein nicht zurechtkommen. Es ist natürlich eine sehr schöne Zeit mit Enkelkindern, die wir jetzt bei Emily verpassen, weil wir so weit weg sind. Hoffentlich folgen unsere Töchter nicht dem Trend der Zeit und schaffen sich noch ein paar "Kinderchen" an, bevor Deutschland zum "Kinderimportland" wird, weil keiner mehr Kinder haben möchte und die Politiker zu sehr mit sich und dem Wahlkampf beschäftigt sind. Vielleicht werden sie nicht vergessen, dass der Nachwuchs in der Politik, wie auch im richtigen Leben, für den Fortbestand wichtig ist.
Während Sabine in Dresden noch einiges erledigten mußte, habe ich die "Stellung" auf der "SUMMERTIME" gehalten und weitere Vorbereitungen für die Atlantiküberquerung getroffen. Ein Kurzwellenfunkgerät, einschließlich der Langdrahtantenne von 15 m in die Mastspitze, und des automatischen Antennen- Tuners wurde eingebaut. Mit diesem Gerät haben wir dann die Möglichkeit bis zu 500 sm weit zu senden und mit anderen Weltumseglern Kontakt zu halten. Das an Bord vorhandene UKW Funkgerät hat nur eine Reichweite bis 40 sm.
Jetzt haben wir auch eine 3 m lange IOR- Mann- über- Bord- Boje. Vier Fenster und die Umlenkrollen der Genuaschoten wurden erneuert. Innen habe ich teilweise das Holz neu lackiert. Ersatzteile werden besorgt.
Beim Icemaster- Kühlschrank wird Kühlflüssigkeit aufgefüllt. Da hatte die Tunesische Fachfirma eine undichte Stelle übersehen, die ich mit einem Gasdedektor hoffentlich gefunden habe. Bei dieser Gelegenheit überprüfe ich gleich noch die Gasanlage an Bord und bei Rotwein besprechen wir die Höhe der Rechnung der deutschen Firma hier auf Mallorca.
Für unser bewährtes 8 Jahre altes Philips- GPS- Gerät suche ich in Palma eine Reparaturwerkstatt. Dabei sehe ich im Porto Pi, dem Militärhafen, sechs deutsche Kriegsschiffe (vielleicht auf Ballermann–Urlaub) und die Segelyacht "HISPANIA" des spanischen Königs Juan Carlos. Die ersten drei Firmen bei denen ich vorspreche, zeigen nur auf die Abfalltonne und halten mir gleich den Katalog mit neuen tollen Geräten unter die Nase. Leider sind alle Geräte mindestens 20 % teurer als in Deutschland (Inselzuschlag !!). Eine Firma nimmt schließlich den GPS an. Ein GPS ist ein wichtiges Navigationsinstrument, das mithilfe von Satteliten weltweit relativ genau (30 m) die Position bestimmen kann.
So hat Sabine noch ein neues Garmin- GPS ohne Außenantenne mitgebracht, was ich gleich noch einbaue, da ich nicht weiß, ob überhaupt und wie teuer die Reparatur das alten GPS wird. In alter "Selbst ist der Mann" Manier ist das neue Gerät nach einer Stunde installiert und funktioniert sogar.
Zum späten Nachmittag begrüßen wir René Kindermann vom MDR aus Dresden und sein Freund Silvio zu einem Interview mit Video an Bord. Es gibt viel zu erzählen und zu später Stunde kommt noch Markus Bock (32, Ministerialbeamter bei der Bundesregierung) aus Berlin an Bord. Er wird für zwei Wochen seinen Bleistift samt Taschenrechner gemeinsam mit Gudrun (44,Justizangestellte) und Wolfram Zeise (49, Geschäftsführer einer mittelständigen Automatisierungsfirma) aus Dresden gegen den harten Arbeitsalltag auf einem Segelschiff eintauschen. Alle drei sind schon vergangenes Jahr auf der "SUMMERTIME" in Griechenland mitgesegelt und sind offensichtlich durch nichts zu verschrecken.
Für Markus sind die nächsten 2 Wochen gleichzeitig eine Sprachreise, denn er absolviert bei uns an Bord noch seinen zweiten Kurs in "Säggsisch for juu". (Hoffentlich besteht er am Ende des Törns seine Prüfung ?!)
Den Sonntag nutzen wir drei noch für eine Cabrio- Inselrundfahrt, denn Gudrun und Wolfram kommen erst abends aus Dresden.
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