Reisebericht vom 05.06.2001
Ein Wochenbericht
Nun sind wir wieder allein an Bord und haben Zeit für die diversen Arbeiten, die noch am Schiff zu erledigen sind.
Gestern dichteten wir bereits zwei Fenster ab. Sie sind jetzt wieder wie neu und fit für unsere grosse Überfahrt über den Atlantik. Heute sind verschiedene kleine Dinge zu erledigen ( staubsaugen an Bord, denn wir haben nicht allzu oft Landstrom, Texte schreiben, Fotos raussuchen u.a.), und morgen kommen dann die restlichen Fenster an die Reihe. Das ist im Moment Schwerstarbeit, denn hier auf Mallorca herrscht grosse Hitze (wir hatten vorige Woche in Palma um 14 Uhr 37°C im Schatten und so ähnlich ist es hier jetzt auch). Zusätzlich zum gelben Bimini haben wir ein grosses Sonnensegel gespannt, damit es im Inneren des Schiffes angenehm bleibt.Das Thermometer zeigt jetzt um 12.30 Uhr 26,2°C im Salon an. Da lässt es sich noch aushalten.
Eine turbulente Woche mit drei netten Gästen liegt hinter uns. Am letzten Sonntag stiegen vormittags Christel Hartmann – ihres Zeichens Immobilienkauffrau und ehemalige Kollegin von Gerhard, deren Sohn Jörg – Student des Medienmanagements und Manuela Klose – Köchin in der Malschendorfer Naturschenke in Palma bei uns zu.
Uns war schnell klar, dass diese Woche sicher auf keinen Fall langweilig wird, denn wir waren eine sehr lustige Truppe. Mit dem Leben auf See kamen die drei wunderbar zurecht, obwohl alle das erste Mal mit einem Segelschiff unterwegs waren. Auch mit der Seekrankheit hatten alle drei keine Probleme.
Schon am Sonntagnachmittag legten wir vom lauten Stadtpier ab, um in der Bucht vor Palma zu ankern und zu übernachten.
Unsere drei neuen mussten unbedingt gleich baden, obwohl die schlechte Wasserqualität fast nicht zu übersehen war. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, dass es hier Buchten gibt, in denen das Wasser so klar ist, dass man 10 m tief auf den Grund sehen kann. Bereits einen Tag später – in Porto Campos konnten sie sich davon überzeugen und waren hellauf begeistert.
Diesmal hatten wir eine Genehmigung der Naturschutzbehörde und durften in Puerto de Cabrera im Cabrera- Archipel ankern.
Die Cabrerainseln stehen erst seit 10 Jahren unter Naturschutz, um Fauna und Flora des Meeres und der Inseln nicht weiter zu beschädigen. Der ständig wachsende Bootstourismus war einfach zuviel für dieses wunderschöne Archipel, so dass die spanische Regierung Massnahmen zu dessen Schutz ergreifen musste. Jetzt darf täglich nur eine bestimmte Anzahl von Booten an festgelegten Bojen liegen. Dafür also die Genehmigung.
Hier war es wirklich einmalig schön. In herrlicher Umgebung bei glasklarem Wasser konnten wir ausgiebig baden, Fische beobachten (Angeln war verboten!) und die Insel erkunden. Mit dem Dingi ging´s an Land und dort wurde das alte Castell besichtigt. Da ich schon viele alte Castells gesehen habe und sowieso nicht gern Dingi fahre (nasser Hosenboden wird garantiert), blieb ich an Bord und kochte leckeres Abendbrot – es gab Tortellini mit Käsesosse. Die Mannschaft war begeistert, es hätte nur ruhig etwas mehr geben können. Seeluft macht hungrig !!!
Die nächsten Tage brachten schöne Buchten, Sonne pur inclusive Sonnenbrand und Urlaub vom Feinsten. Voller Schadenfreude hörten wir von Regen und Kälte in Dresden und genossen das schöne Wetter umsomehr.
Viel zu schnell war die Woche um. Hier in Port Andraitx am Stadtpier war die letzte Station und von hier aus ging es mit einem Mietauto die Nordküste entlang über Land. So sahen wir nicht nur segelnderweise die Südküste von Mallorca, sondern auch ein Stück vom Festland per Auto. Sonntagabend brachten wir die Crew mit dem Mietauto noch zum Flugplatz, wo sich die Drei bereits seelisch und moralisch auf die Kälte in Dresden vorbereiteten (Socken und Jacken wurden bereitgelegt). Es flossen Abschiedstränen und gute Wünsche gingen hin und her. Vielleicht gibt es in den nächsten Jahren ein Wiedersehen auf unserem Schiff.
Wieder allein an Bord fühlten wir uns doch tatsächlich ein wenig einsam. Aber in zwei Wochen kommen liebe alte Bekannte an Bord, um mit uns rund Mallorca zu segeln. Darauf freuen wir uns schon.
Inzwischen werde ich für eine Woche auf Heimaturlaub nach Hause fliegen und kann von Deutschland aus einige wichtige Dinge regeln. Gerhard hält hier in Andraitx die Stellung – es gibt schliesslich viel zu tun am Schiff.
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