Reisebericht vom 26.08.2002 

Cairns 

Die Video-  Kamera wurde repariert, der neue Autopilot ist eingebaut, Sabine war beim Zahnarzt, die Diafilme wurden entwickelt und einiges mehr. Nachdem nun alles Wichtige erledigt ist, unternehmen wir heute den ersten Ausflug in Australien in die Rainforestation mit der historischen Kuranda Railway Bahn und dem modernen Skyrail Kabinenlift. Leider war das alles total touristisch, was wir ja nun gar nicht mehr gewöhnt sind. Vor allen Dingen haben wir solche Attraktionen auch in Deutschland (abgesehen vom Regenwald, den man sich aber normalerweise auch ohne Eintritt ansehen kann). Wir waren ganz schön enttäuscht. Etwas ganz besonderes war allerdings die einstündige Fahrt mit einem alten Army Duck, einem schwimmfähigem Geländefahrzeug aus dem 2.Weltkrieg, durch den Regenwald. Anschließend gab es noch die Pamagirri Aboriginal Dance Show mit Didgeridoomusik.

Unser Schiff ließen wir unterdessen für die nächsten 4 Tage unter der Obhut von Kees, einem holländischen Segler und Matthew, der hier eine Bootsvermietung mit seiner Frau Sunny betreibt. So konnten wir beruhigt losfahren.

Das Outback beginnt im Atherton Tableland ca. 100 km von Cairns entfernt. Zuvor komme ich durch den Linksverkehr etwas ins Schwitzen. Das Lenkrad, der Schalthebel und der Blinker sind auf der falschen Seite. Ich will jedes Mal beim Beifahrer einsteigen, beim Blinken geht der Scheibenwischer und an jeder Kreuzung ruft Sabine „keep left“. Automatisch schaue ich in die falsche Richtung – glücklicherweise passen die OZ´s auf die kleinen Mietautos auf, denn sie fahren fast alle große Allradjeeps oder Pick up´s. Bei einem Benzinpreis von 0,45 € kein Problem. Kommt man raus aus der Stadt, muss man sich eine asphaltierte Straße vorstellen auf der ein LKW Platz hat. Begegnen sich zwei Auto´s fahren beide mit den linken Rädern auf den unbefestigten Randstreifen aus der hier typischen roten Erde. Die Höchstgeschwindigkeit ist 100 km/h und wenn ein sogenannter Roadtrain, ein Truck mit gewaltigen Bullenfängern und bis zu 3 Hängern, der 50 m lang sein kann, entgegenkommt, weicht man schon gern vorher auf den Randstreifen aus. Zumal die Steinschlaggefahr für die Frontscheibe sehr groß ist.

Die zahlreichen toten Känguru´s an den Straßenrändern sind eine einfache Mahlzeit für die großen Geier und Raubvögel. Die Känguru´s laufen nachts in die Scheinwerferkegel der Autos, so dass den Mietwagenfahrern stark empfohlen wird, nur tags zu fahren. Glücklicherweise sehen wir auch einige der australischen Beuteltiere lebend.

Der Kontinent ist echt gewaltig groß; es wird an der Straße für den nächsten Supermarkt geworben – 170 km entfernt. Am Barrine Lake ziehen wir uns die Wanderschuhe an und umrunden den See im tropischen Regenwald, allerdings ohne Machete – es gibt einen befestigten Wanderweg. Zwei riesige Kauripinien mit 2,7 m Durchmesser und einem Alter von mehr als 1.000 Jahren machen uns deutlich, wie lange ein Regenwald braucht, um ein Regenwald zu sein und wie schnell der Mensch aus Profitgründen diesen vernichtet und damit das Klima der gesamten Erde gefährdet.

Wir verlassen den Regenwald und große Rinderherden verlieren sich in der Weite der Gras-   und Buschlandschaft. Die Eukalyptusbäume sind leider ohne Koala´s und häufig sehen wir verkohlte Bäume als Zeichen von Buschbränden. Beeindruckend sind auch die mannshohen roten Termitenhügel. Eine faszinierende Landschaft!!

Die erste Nacht verbringen wir nach 270 km in Mount Garnet (300 Einwohner). Für 20 € haben wir ein Doppelzimmer in einem ca. 100 Jahre alten Hotel. Zwischen den Zimmern sind nur 2 cm starke Holzbretter, die Tür kann man nicht abschließen und die Sanitäreinrichtungen sind am Ende des Ganges. Glücklicherweise hat der Nachbar nicht zu starken Husten. In der Kneipe beim Bier unten im Erdgeschoss treffen wir die Leute, vor denen uns unsere Eltern schon immer gewarnt haben – aber nett. Sie arbeiten fast alle in der nahegelegenen Zinkmine. Ich glaube, wir sind hier die ersten deutschen Hotelgäste seit dem 2.Weltkrieg. Das bestätigt uns auch Andrea, eine schwäbische Backpackerin, die hier seit einem Monat für Kost und Logis arbeitet, da sie keine Arbeitserlaubnis hat. Leider gibt es hier keinen öffentlichen Bus, sonst wäre sie schon längst weg. Wir bieten ihr an, sie bis Cairns mitzunehmen.

Am nächsten Morgen sind wir beizeiten munter, da die Roadtrains nachts mit 100 durch den Ort fahren, brauchen wir keinen Wecker. Ruck zuck noch ein Spiegelei mit Bacon und einen Pott Kaffee, der keinen mehr aufregt und weiter geht’s. Wir tanken und holen uns im „Superstore“ noch etwas Proviant, man weiß ja nie... Nach weiteren 400 km sind wir abends in Charters Towers – einem beschaulichen Ort, in dem die alten Gebäude aus der Jahrhundertwende in einem sehr gepflegten Zustand sind. Das gibt diesem Ort ein wunderbares Flair. Sogar das alte Einkaufscenter wurde stilgerecht restauriert. Offensichtlich haben die Stadtväter hier die Weitsicht, dass wegreißen und Betonklötzer hinstellen nicht die Allerweltslösung ist. Damals wie heute haben die Kirchen und die Banken die größten Bauten. Die einen versprechen das ewige Leben im Paradies bei der Vergebung aller Sünde auf Erden und die anderen verkaufen Kredite. Alles offensichtlich nicht erfolglos, sieht man sich das Immobilieneigentum der Kirche und der Banken heute an. Wir kommen in einem kleinen Motel im Ortszentrum unter, mit einen Fernseher in dem die deutschen Fernsehnachrichten und Kommentare laufen: Beseitigung der katastrophalen Flutschäden, die Amerikaner suchen Verbündete im Krieg gegen den Irak und Wahlkampf ist in Deutschland angesagt. Jeder verspricht deutliche Verbesserungen für Familien und lässt sich auf der Jagd nach Wählerstimmen mit Kindern filmen. Frühere Regierungsoberhäupter haben sich auch schon gern unters Volk der Arbeiter und Bauern gemischt – für die Medien. Wir können es uns in Deutschland aber eigentlich nur wünschen, dass wir etwas kinderfreundlicher werden und uns damit vor dem Aussterben bewahren.

Für uns geht es nach einer ruhigen Nacht wieder nach Norden, Richtung Cairns. Die rote Erde strahlt eine besondere Atmosphäre früh am Morgen und am Abend aus. Wir genießen das Licht und die Landschaft -   die schnurgerade Straße wird uns nicht zu lang. Wir fahren durch kleine Orte, die fast alle ein Kriegerdenkmal, einen gepflegten Golf-   und einen Bowlclub haben. In Orten mit mehr als 159 Einwohnern gibt es auch den weltberühmten McDonald.

So kommen wir über Townsville und Ingham abends nach Tully. Hier ist die Landschaft von großen Zuckerrohr-   und Bananenplantagen geprägt. In der Zuckerrohrfabrik und auf den Plantagen verdingen sich zahlreiche Backpacker und Wanderarbeiter. Überall laufen ziemlich dreckige und abgerissene Saisonarbeiter-   und innen herum. Es gibt sogar eine Backpacker Plantagen Baracke und an der Kneipe daneben steht, dass man über 18 und ordentlich angezogen sein muss, keine Badelatschen und Arbeitssachen anhaben darf. Kredit gibt es selbstverständlich auch keinen. Da jetzt Hochsaison ist, erwischen wir eines der letzten Zimmer -   im wahrsten Sinne des Wortes -   im 100 Jahre alten Hotel des Ortes. Nur 5 m neben unserem Fenster läuft aller 20 Minuten für eine halbe Stunde das Klimaaggregat an. Da es direkt auf einem Blechdach steht, lässt sich der hohe Geräuschpegel gut erklären. Pech für uns, bei der Besichtigung des Einzelbettzimmers hatte es wohl gerade Pause. In der unter unserem Zimmer gelegenen Kneipe geben wir uns den Schlaftrunk für die Nacht. Es hat nicht viel genützt oder war zuwenig, denn schon um 7 Uhr haben wir das Zimmer geräumt und suchen jemanden, der uns unseren Schlüsselpfand wiedergibt. 
 
 


Reiseroute

 


Reiseberichte - Australien

 
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» 06.09.2002 - Lizzard Island
» 10.09.2002 - Portland Roads
» 12.09.2002 - Thursday Island, Torres Strait
» 17.09.2002 - Gove, Northern Territory
» 19.09.2002 - Raragala Island
» 23.09.2002 - Darwin, Northern Territory
» 24.09.2002 - Darwin
» 01.10.2002 - Darwin
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