Reisebericht vom 18.11.2001 

ARC – Atlantic Rally for Cruisers (Gran Canaria – St. Lucia) 

Über den Atlantik -   Herzklopfen !!!!

Es gibt kaum noch andere Gedanken. Wir sind total aufgeregt und voller Vorfreude. Die lange Zeit des Segelns hat auch mich ganz gespannt gemacht auf die grosse Fahrt. Es ist doch etwas ganz Besonderes, über den Atlantik zu segeln und auf die Art neue Welten zu erreichen. Wenn ich daran denke, dass wir in einem Monat in der Karibik sein werden, kommt mir das wie ein kleines Wunder vor. Dennoch ist da natürlich auch ein bisschen Angst !

Werden die Wellen sehr hoch sein und wie vertrage ich das ? Ob ich nach der Tour immer noch gern segele ? Ob wir uns wohl nach der langen Fahrt immer noch so gut verstehen? Wird es langweilig werden? Wann kommt beim Ersten der "Bordkoller"? Haben wir die richtigen Vorräte eingekauft und werden sie reichen?

Da ist Vorfreude auf das Weihnachten in der Karibik und Angst vor dem Heimweh. Weihnachten ohne Familie??!! Doch Urlaub oder Reisen heißt immer auch, die Lieben daheim zurück zu lassen.

Am 18.November sind unsere Mitsegler aus Sachsen angereist. Alle haben Segelerfahrung und Segelscheine. Annette Karl – Funk und Proviant (26, Wirtschaftsing.), Andreas Kropff – Navigator und Sicherheit (29, Wirtschaftsing.), Dr. Peter Popp – Co-Skipper und Wetter (49, Unternehmer) und unser Moses – Funker und Sicherheit (21, Ziwi). Sabine ist für Medizin und Proviant zuständig. Gerhard ist Skipper und Navigator. Dann heißt es eine Woche Vorbereitung auf den Törn. Alle haben ihre Funktionen an Bord und es werden die angebotenen ARC-Seminare (natürlich alle in Englisch) besucht. Wir sind schon sehr gespannt auf die Veranstaltungen während der Vorbereitungswoche. Es soll Vorträge über den Umgang mit dem Sextanten geben (das braucht Gerhard sicherlich nicht mehr - er will das uns anderen auf der Fahrt zeigen), der Einstieg in eine Rettungsinsel (das ist gar nicht so einfach) und Hubschrauberbergung wird gezeigt. Daneben gibt es noch viel Gaudi, wie Piratenparty und internationales Dingirennen.

Selbst mal auf große Fahrt gehen? Windjammer Kreuzfahrten finden Sie hier.

Vorbereitung bedeutet: Proviant ordern und im Schiff unterbringen, ohne dass Kakerlaken mit an Bord kommen. Die sind hier schrecklich gross und wir sind wirklich nicht scharf auf das unheimliche "Gehusche" an Bord. Für alle Fälle haben wir aber Kakerlakenfallen an Bord und sämtliche Vorräte werden ausgepackt und abgewaschen.

Trinken ist wichtig!!! Man soll 3 l Flüssigkeit am Tag zu sich nehmen. Wie viel Bier wird benötigt und wie viel kriegen wir unter ? Wir segeln zu sechst, das Schiff ist voll und sechs Leute wollen verpflegt sein. Dazu muß natürlich noch eine Reserve von 25 % eingeplant werden.

Unsere Proviantliste ist schon fertig und wird laufend ergänzt. Schliesslich wollen wir nicht nur Bier trinken !

Am 15.11. wurde unser Schiff von der ARC-Sicherheitsbeauftragten Toni Mark überprüft und bis auf ein paar Kleinigkeiten für gut befunden. Wer die Sicherheitskriterien nicht erfüllt, darf nicht an der ARC teilnehmen. Unsere Rettungsinsel wurde gewartet, unsere Feuerlöscher erneuert, Seenotsignale und Rettungsmittel ergänzt.

Gleichzeitig wird noch das gesamte Rigg mit dem stehenden und laufenden Gut überprüft. Dazu müssen wir natürlich auch in den Masttop (15 m hoch).

2700 sm liegen vor uns. Nur Wasser! Vielleicht fangen wir endlich mal einen Fisch. Bisher hatten wir noch kein Anglerglück.

Wir sind 3 Wachen, die tagsüber 4 und nachts 3 Stunden Dienst haben, also Ausguck halten müssen, wenn nötig Ruder gehen, Segel wechseln, Backschaft (kochen und abwaschen) machen. Das hört sich viel an, ist aber gut zu machen. Dadurch können die anderen mindestens 5 h am Stück schlafen und das ist eine feine Sache.
Wenn wir alleine auf Überfahrt sind, wechseln wir uns aller 2 h ab und haben nachts nicht allzu viel Schlaf (wird dann aber tagsüber nachgeholt).
Inzwischen ist der Hafen in Las Palmas mit ARC-Teilnehmern überfüllt.

Zahlreiche Yachten fahren auch parallel zur ARC über den "Großen Teich", diese ankern in der Bucht nördlich des Yachthafens. Hier ist am 20.11.- 17.00 Uhr so eine kräftige Gewitterfront mit Böjen bis 8 bft durchgezogen, dass dabei mehrere Yachten am Wellenbrecher auf Legerwall geraten sind, da die Anker nicht gehalten haben bzw. die Ketten gebrochen sind. Viele haben bei strömendem Regen geholfen, die Yachten zu bergen. Zwei Bergungsschiffe waren im Einsatz.
Überall ist über die Toppen geflaggt und es wehen die ARC-Flaggen an den Yachten. Wir haben bereits unser Reelingskleid mit der Startnummer 171 an Backbord angebracht.

Es ist jedes mal ein gutes Gefühl, wenn wieder ein "ARC Schiff" in den Hafen einläuft. "Die gehören zu uns" und wir werden sie sicher in der Karibik noch ein paar mal treffen. Man kommt immer ins Gespräch - meist auf englisch – Segler leiden nicht unter Kontaktangst!! Und so erfährt man schon einiges über unbekannte Reviere und kann besser Pläne machen.
Aufregung macht sich auch im ganzen Hafen breit. Die Shipchandler, die ihre Dienste anbieten, werden täglich mehr. Imbissstände ganz in der Nähe werden aufgebaut. Segler wollen nicht allzu weit weg vom Hafen, um essen zu gehen ! Laufend kommt jemand vorbei, der ein Schiff sucht, das ihn mit über den Atlantik nimmt (ob die wohl alle mitkommen?) und so macht sich jetzt schon der baldige Start der ARC bemerkbar.

Am 25.November, 13.00 Uhr, geht es nun wirklich los und 225 Schiffe starten zur Überfahrt nach St. Lucia in der Karibik. Ich komme mir vor, als würde ich auf Weltreise gehen.

Von da an kann unsere tägliche Position in unserer homepage oder in ARC-Homepage www.worldcruising.net verfolgt werden. Wir sind natürlich in dieser Zeit nicht erreichbar. Unser Telefon funktioniert nur in Spanien.

Gerhard rechnet mit einer Zeit von 18 Tagen, das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 kn über Grund, für die Überquerung des Atlantik. Sabine wäre riesig froh, wenn das so wird, aber kann nicht ganz daran glauben. Hoffentlich glaubt Gerhard ganz fest daran, denn nur dann kann es was werden.

Sobald wir in St. Lucia angekommen sind, werden wir uns wieder melden und einen Bericht der Überfahrt geben, wie es wirklich war.

An dieser Stelle wünschen wir allen eine schöne Adventszeit.

 
 


Reiseroute

 


Reiseberichte Atlantik

 
» 18.11.2001 - ARC – Atlantic Rally for Cruisers
» 25.11.2001 - Las Palmas, Gran Canaria
» 26.11.2001 - 2. Tag auf See
» 27.11.2001 - 3. Tag auf See
» 28.11.2001 - 4. Tag auf See
» 29.11.2001 - 5. Tag auf See
» 30.11.2001 - 6. Tag auf See
» 01.12.2001 - 7. Tag auf See
» 02.12.2001 - 8. Tag auf See
» 03.12.2001 - 9. Tag auf See
» 04.12.2001 - 10. Tag auf See
» 05.12.2001 - 11. Tag auf See
» 06.12.2001 - 12. Tag auf See
» 07.12.2001 - 13. Tag auf See
» 08.12.2001 - 14. Tag auf See
» 09.12.2001 - 15. Tag auf See
» 10.12.2001 - 16. Tag auf See
» 11.12.2001 - 17. Tag auf See
» 12.12.2001 - 18. Tag auf See
» 13.12.2001 - 19. Tag auf See
» 14.12.2001 - 20. Tag auf See
» 15.12.2001 - 21. Tag auf See
» 16.12.2001 - 22. Tag auf See
» 17.12.2001 - Endlich Land!
 
 
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