Reisebericht vom 04.04.2003 

Hurghada, Ägypten 

Wir werden von dem Marinapersonal freundlich begrüßt und gehen neben einem ehemaligen norwegischen Walfänger aus dem Jahre 1912, jetzt allerdings mit polnischer Crew, am Gästepier längsseits. Ein Stück weiter liegt auch die „armselige“ 32 m Motoryacht „GADDA“ von KHALED BIN LADEN, einer der 24 Brüder des meistgesuchten Terroristen der Welt. Uns steht der herrliche Swimmingpool zur Verfügung, denn in diesem Fantasialand El Gouna gibt es zur Zeit viele freie Betten und wenig Touristen. Als Fahrtensegler können wir hier einen Monat bleiben und brauchen nur die ersten 15 Tage mit je 10 US$/Tag bezahlen. Sogar Kabelfernsehen mit 3 deutschen Programmen ist verfügbar. Viele Segler nutzen den Aufenthalt hier, um nach Hause zufliegen. Auch Sabine fliegt gleich am nächsten Tag nach Deutschland, um ihre Eltern zu besuchen.

Ich nutze die Zeit, um mit anderen Seglern einen 2 Tagesausflug in das 350 km entfernte Luxor am Nil, dem früheren Theben, zu unternehmen. Wir bekommen als Gruppe einen guten Preis und Kinder bis 6 sind frei. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Überall in der Stadt und auf der Strecke nach Luxor sind Kontrollpunkte der Armee. Die wenigen Busse fahren im Konvoi mit Polizeieskorte. Die Zeugnisse einer vergangenen Hochkultur beeindrucken uns. In den berühmten bis zu 3.500 Jahre alten Tempeln von HATSEPSUTH oder vor der faszinierenden Säulenhalle des AMUN -   Tempels in KARNAK und werden die Taschen teilweise kontrolliert. Unauffällige Herren in Zivil mit der Maschinenpistole unter dem Jackett sind nach dem blutigen Terroranschlag auf Touristen vor wenigen Jahren ebenfalls hier. Natürlich „schleppen“ uns unsere Reiseführer auch in ein Papyrus-  Museum, eine Alabaster-  Manufaktur und in einen arabischen Basar. Am Ende sind alles nur Läden in denen die Verkäufer schon hartnäckig sind. Wir reden mit unserem Reiseleiter Klartext, dass er das gefälligst lassen soll und als wir auch noch das Restaurant allein auswählen, von dem er offensichtlich keine Provision bekommt, ist er entgültig sauer. Abends sind wir am Rande der Stadt in einem etwas verblichenem, bescheidenen aber sauberen 4 Sterne Hotel untergebracht. Die 4 Sterne sind vermutlich vom Himmel gefallen, aber Polizei bewacht auch hier unseren Nachtschlaf.

Die Vorschläge zur Gestaltung des nächsten Tages neben dem Besuch des „Tales der Könige“ sind alle mit erheblichen Zuzahlungen in Dollars verbunden. Wir lehnen dankend ab und beschließen, für deutlich weniger Geld den Tag selbst zu organisieren. Jedenfalls kommt bei unserem 24-  jähriger Reiseleiter das Fass zum Überlaufen als wir abends das Hotel auch noch allein verlassen wollen, um etwas spazieren zu gehen und ein Bier zu normalen Preisen zu trinken. Es wäre nicht erlaubt und er könne nichts mehr für unsere Sicherheit tun. Wir tun das, was wir tun wollen und er fragt uns nicht nach einem Bakschisch.

Am nächsten Tag läuft alles wie geplant. Kapitän Sabbah beschert unserer Gruppe, in der auch 5 Kinder sind, einen wunderbaren Segelnachmittag auf dem Nil. Wir genießen die herrliche Flusslandschaft mit Wasserbüffeln und vielen Vögeln und brauchen uns nicht ständig der teilweise aggressiven Bakschischjäger, Kutschenfahrer oder Ladenbesitzer zu erwehren.

Es gehören schon gute Nerven dazu, 150 mal am Tag auf die Fragen nach den „Woher?“ und „Wohin?“ und „Weshalb?“ freundlich mit „Shukran“ zu antworten.

18-  00 Uhr soll der bewachte Buskonvoi wieder zurückfahren nach Hurghada. Alle finden einen Platz in einem Bus. Günter von der „KARMA“ und ich werden zu einem anderen Bus geschickt. Der Konvoi startet pünktlich – im Bus gibt es keinen freien Sitzplatz für uns. Wir stoppen unseren Bus, steigen aus und stellen uns jeder vor einen Bus auf der zweispurigen Fahrbahn und blockieren damit die Weiterfahrt des halben Konvois. Es sind in keinem der nächsten Busse Plätze frei. Es kommt zum etwas heftigeren Wortwechsel. Wir bleiben auf der Fahrbahn vor den Bussen stehen wie die Deutschen Eichen. Auf einmal sind wir umringt von Polizei -   alle sind aufgeregt, aber keiner schießt. Erst nach etwas lauteren Worten eines herbeigerufenen hochrangigen Offiziers überlassen uns zwei Reiseleiter zähnknirschend ihre Sitzplätze in der ersten Reihe. Ich wollte immer schon einmal in der Ersten Reihe sitzen. Und der Konvoi rollt weiter, aber die endlose Geschichte ist noch nicht zu Ende. Vor dem „REGINA“ Hotel ist 22.30 Uhr für den Busfahrer Schluss und er meint, ein Shuttle Bus bringt uns in die 30 km entfernte Marina. Nach 15 Minuten Wartezeit glauben wir nicht mehr an Weltwunder und die 5 lieben Kleinen, zwischen 4 und 9 Jahre alt, werden langsam unruhig. Wir rufen eine Streife der Touristenpolizei. Es werden immer mehr Polizisten mit Blaulichtauto, mit Motorrad, in Zivil und mit Kalaschnikow. Nach weiteren 30 Minuten bezahlen wir doch im Interesse der Kinder einen Minibus privat, um in die Marina zu fahren. Zwei Tage später holen wir uns das Geld aus dem Reisebüro wieder zurück. Es waren zwei wunderschöne und erlebnisreiche Tage in Luxor, denn wir hatten alle zusammen eine schöne Zeit.

Was könnten wir erzählen, wenn alles klar gegangen wäre. Segler sind nun einmal keine „normalen“ Touristen über 65!!

Kurz vor Ostern wir Sabine mit Susanne, unserer jüngeren Tochter, wieder zurück sein. Bis dahin habe ich voll zu tun, denn bis vorgestern tobte hier mehrere Tage der heftigste Sandsturm seit 5 Jahren mit Windstärke 8 in den Böen wurden sogar 50 kn gemessen. Die Sicht betrug zeitweise weniger als 20 m und alle Schiffe sind komplett mit ganz feinem Sand bedeckt. Innen sieht es ähnlich aus. Es war der zweite Sturm innerhalb von 10 Tagen. So wird es wenigstens nicht langweilig. Ansonsten geht uns nicht schlecht. Wir haben hier einen Swimmingpool und Kabelanschluss für das Fernsehen mit 3 deutschen Programmen.

Gestern am 13.04.03 erschüttert uns die Mitteilung über den plötzlichen unerklärlichen Tod des 31-  jährigen Skippers Ian von der „POLLUX“ im Sudan in der Marsa El Marob. Heute wird spontan Geld unter den Seglern für die Überführung des Leichnams und der Yacht gesammelt. Außerdem wird diskutiert, wie wir Segler seiner schwangeren Frau helfen können.

Eine tragisches Ende einer Weltumsegelung !!

Nach Ostern geht es bei uns weiter nach Norden in den Golf von Suez und durch den Suezkanal. In Sitea auf Kreta kreuzen wir unsere Kurslinie und sind damit offiziell „einmal rum“. Nach insgesamt 38.000 Seemeilen sind es von hier bis in die Nordadria nach Portoroz in Slovenien weniger als 2.000 sm. Das war´s dann!!!

Bis dahin dauert es nicht mehr lange und ich werde den einen oder anderen sicher wiedersehen und wir werden uns fragen, wo ist die Zeit geblieben und was ist besser geworden in Deutschland!!!


 


Reiseroute

 


Reiseberichte - Ägypten

 
» 30.03.2003 - Rás Banás, Ägypten
» 03.04.2003 - Hurghada, Ägypten
» 04.04.2003 - Hurghada, Ägypten
» 17.04.2003 - Hurghada, Ägypten
 
 
Hosting - Kesys GmbHWebdesign - nexst4 Dresden