Sardinien 

Land und Leute 

Die Geschichte Sardiniens, die sich über mehrere tausend Jahre erstreckt, beginnt bereits in der frühen Altsteinzeit (10.000 vor Christus), auf die die ersten, sicheren Zeugnisse über Besuche von Menschen auf der Insel zurückgehen, die sich dort jedoch erst sehr viel später, in der frühen Jungsteinzeit (6.000 vor Christus) niederlassen.

Der Reichtum an Bodenschätzen der Insel stößt auf geschäftliches Interesse bei den Völkern aus dem östlichen Mittelmeerraum, wie Mykener und Zyprioten, doch erst die Phönizier im VIII. Jh. vor Christus gründen die ersten, ständigen Kolonien, besetzen leicht ansegelnde Küstenstreifen, die für Warentausch und Handel günstig sind. Die darauf folgende Besetzung durch die Karthager (500-  238 vor Christus) bevorzugt neben dem Abbau der Bodenschätze die Holz-   und Getreideproduktion.

Diese Ausbeutung setzt Rom (238 vor Christus -   476 nach Christus) dann fort, um seine Herrschaft auch auf das Landesinnere auszudehnen -   das sich wesentlich stolzer gibt als die Küstenregionen-  . Das Römische Reich setzt eine starke und gut organisierte Verwaltung ein, deren Leistungsfähigkeit nicht zuletzt durch ein verzweigtes Straßennetz gewährleistet wird -   von dem heute noch die ursprünglichen Ausläufer zu sehen sind -   und das heute größtenteils vom modernen Straßennetz wieder aufgenommen wurde.
Der Untergang des Römischen Reiches reißt die Insel mit sich und führt zum progressiven Verlassen des landwirtschaftlich genutzten Bodens und der Küstenregionen.

Sich selbst überlassen und ohne Verteidigung wird Sardinien ungefähr 80 Jahre lang (476 -   530 nach Christus) von afrikanischen Vandalen besetzt und heimgesucht, die nach ihrer Niederlage gegen den Ostkaiser, die Insel der Herrschaft von Byzanz überlassen.

Als die Araber im IX. Jh. nach Christus die Eroberung des Mittelmeers, von Nordafrika, Spanien, einem Teil Frankreichs und Siziliens vervollständigen, sind die Küsten Sardiniens deren Angriffen und Raubzügen ausgesetzt.
Das Desinteresse und das daraus folgende Fehlen an Macht des entfernten Byzanz bringt die Insel dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen: sie organisiert sich deshalb verwaltungstechnisch und militärisch in die 4 Giudicate Arborea, Cagliari, Gallura und Torres, vier souveräne und voneinander unabhängige Königreiche.

Unter Höhen und Tiefen überleben die Giudicate bis zum XIII. Jh., als sie zu von den Republiken des italienischen Kontinents Pisa und Genua kontrollierten Territorien werden. Alborea widersteht selbständig bis zum Jahre 1478, als die Krone von Aragon definitiv die gesamte Insel erobert, die ihr bereits seit 1297 von Papst Bonifaz VIII. zusammen mit Korsika zum Lehen überlassen worden war.

Das so entstandene "Regnum Sardiniae" bleibt Teil der überseeischen Gebiete der spanischen Krone (die Ende des XV. Jh. aus der Verbindung der Königreiche Aragon und Kastilien hervorging) bis zum Beginn des 1700.
Nach einer österreichischen Klammer von kurzer Dauer (1708 -  1718) wird das Regnum Sardiniae mit dem "Traktat von London" an die Savoia, Fürsten von Piemont.

Es wird das Königreich Sardinien gegründet, in dessen Rahmen die Insel bis zum Jahre 1847 die staatliche Autonomie beibehält. In diesem Jahr schloß sie sich mit Piemont zusammen und ruft unter Verzicht auf ihren historischen Bedeutungsgehalt eine einzige Zentralregierung ins Leben.
Mit Ende des Unabhängigkeitskrieges und der gewonnenen Einigung wird das Königreich Sardinien zum Königreich Italien (1861).

Im augenblicklichen, nationalen Rahmen der Republik Italien nimmt Sardinien die Stellung einer autonomen Region ein, die nach einem Sonderstatut (1948) reglementiert ist, in dem die Gründe für seine Autonomie bekräftigt werden.
Vom verwaltungstechnischen Gesichtspunkt aus ist Sardinien in 4 Provinzen aufgeteilt: Cagliari -   Provinzhauptstadt -   Sassari, Nuoro und Oristano, die insgesamt 377 Gemeinden und eine Bevölkerung von 1.660.000 Einwohnern umfassen.

Eine komplexe und verzweigte Region, die kulturelle, materielle, historische und künstlerische Spuren ihrer Geschichte, einen ursprünglichen, besonders charakteristischen Schatz beibehalten hat, der nun ständig neu entdeckt und in seiner ganzen Fülle wieder aufgewertet wird.


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