Balearen 

Geschichte 

Der Name ist römisch: Es waren die "Steinschleuderer", die dort wohnten.
Unter den großen und winzigen Eilanden des Archipels haben heute nur vier Inseln Bedeutung für einen schönen Urlaub:
Mallorca ist die berühmteste Insel der Balearen, wohl die berühmteste im Mittelmeer. Die drei anderen bewohnten Balearen-  Inseln sind nicht ganz so bekannt. Sie sind auch erheblich kleiner. Aber nicht weniger interessant.
Menorca (52 km lang, 668 qkm) ist viel stiller.
Ibiza (44 km lang, 593 qkm) gibt sich quirlig.
Formender schließlich (20 km lang, 115 qkm) ist nur ein Inselchen -   aber ein attraktives. Alle drei zusammen sind nicht halb so groß wie Mallorca.
Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Balearen endgültig spanisch, aber sie fühlen sich nicht so. Man weiß Bescheid über die eigene Geschichte und betrachtet das Festland reserviert.
 
Die frühesten menschlichen Gerätschaften, die man auf den Balearen fand, sind Gefäße und Werkzeuge, die wohl aus der Jungsteinzeit stammen. In der Bronzezeit -   im Mittelmeerraum zweitausend Jahre vor Christi Geburt -   entstanden dann die ersten Bauwerke. Vor allem auf Menorca sind noch viele steinerne Reste aus jener Zeit zu finden.

Als Phönizier im siebten Jahrhundert vor Christi Geburt in der Gegend kreuzten, sahen sie überall auf den Talayots -   den Türmen von Menorca -   Feuer brennen: Leuchtsignale, um die Bewohner vor den fremden Schiffen zu warnen. Karthager -   ein Stamm der Phönizier, der sich beim heutigen Tunis angesiedelt hatte -   richteten auf Menorca und Ibiza Handelsstützpunkte ein. Menorca war ihnen wegen des großartigen Naturhafens, der sechs Kilometer langen Bucht von Mahón, die wichtigste Insel des Archipels.
Auf Ibiza gründeten die Karthager eine Militärbasis und Handelsniederlassung. Neben der Salz-   und Bleigewinnung entwickelten sie eine florierende Keramik-  Industrie. Die hier gefertigten Tonkrüge und Gefäße wurden in viele Länder des Mittelmeers exportiert.
Noch heute heißen sie "Steinschleuderer"

Im Jahr 122 v.Chr. steuerten Römer die Inseln an. Sie wurden mit einem erschreckenden Steinhagel begrüßt. Das kam nicht unerwartet, denn das fast unheimliche Geschick der Insulaner im Umgang mit Steinschleudern war bekannt. Die Inseln hießen nicht umsonst schon damals "Balearen". Das Wort "Balearides" bedeutete "Steinschleuderer".

Die Römer schützten ihre Schiffe mit Fellen, trieben die Verteidiger mit Wurfspießen zurück und nahmen die Inseln, um sie dem Römischen Reich einzugliedern. Die eine nannten sie "Balearis Major" und später "Majórica" (also "die Große"), eine andere "Balearis Minor" oder "Minórica" ("die Kleine"). Die beiden heißen heute "Mallorca" und "Menorca".
Ibiza behielt -   mehr oder weniger -   seinen angestammten Namen "Ibosim". Es galt nicht als römische Kolonie, sondern als Bundesgenosse und wurde deshalb auch nicht, wie Majorica und Minórica, römisch beeinflußt.

Architektur, Kunst und die Form alltäglicher Gegenstände blieben auf Ibiza karthagisch -   teils, wie der Baustil, bis zum heutigen Tag.
Im fünften Jahrhundert eroberten Vandalen die Inseln. Sie führten sich barbarisch auf, bis der byzantinische Feldherr Belisar sie vertrieb.
Im achten Jahrhundert kamen Mauren. Sie eroberten die Balearen, blieben 500 Jahre, brachten Frieden, Kultur und wirtschaftlichen Aufschwung.
1229 nahm Jaime I., der König von Aragón (einem spanischen Reich mit der Hauptstadt Barcelona), die Insel Mallorca ein. Sechs Jahre später geriet Ibiza in seine Hände. Fast alle maurischen Hinterlassenschaften wurden zerstört, Ortsnamen umbenannt, die Bewohner christianisiert.

Auf Menorca war es anders. Dort zahlten die Mauren Abgaben an den König von Aragón: Weizen, Kühe und anderes Getier. So hielen sie sich die Spanier vom Hals. Allerdings nur bis 1287. Da segelte der hitzköpfige Alfonso II. von Aragón nach Menorca und eroberte es. Aus den Überfallenen wurden Piraten.

Seit Jahrhunderten wurden die Balearen von maurischen und türkischen Piraten überfallen. Irgendwann im 17. Jahrhundert bekamen die Leute auf Ibiza selber Spaß an der Seeräuberei. Sie bauten kleine, flinke Segelschiffe, die sie in ihren zahlreichen Buchten versteckten, um harmlos vorbeifahrende Handelsschiffe zu überfallen, und wurden zu Experten auf dem Gebiet der Piraterie. Oft verdingten sich Mannschaften mitsamt ihrem Schiff als Kaperer an ausländische Geldgeber. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es ibizenkische Korsaren.

Menorca hatte es schwerer. Im 16. Jahrhundert wurde es mehrfach von den Türken überfallen. Mahón wurde stark, Ciudadela ganz zerstört.
Diese Überfälle hielten an, bis 1708 Engländer auf der Insel landeten und sie kurzerhand besetzten. Im Frieden von Utrecht wurde ihnen Menorca offiziell zugesprochen. Abgesehen von zwei Unterbrechungen -   als es den Franzosen und später den Spaniern für kurze Zeit gelang, die Insel zu erobern -   blieben die Briten ein knappes Jahrhundert lang. Sie brachten den Leuten von Menorca viel Nützliches bei: Viehzucht, den Anbau von Futterpflanzen und eine etwas reservierte Art Fremden gegenüber.


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